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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
Entstehung
Seite
256
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bis izum Aeussersten anspannen mussten und weiter anspannenmüssen. Es galt, Ersatz zu schaffen für die Millionen von Männern,die der Krieg ;zu den Waffen gerufen hat. ,

In diesen wenigen Sätzen ist die Grösse der Aufgabe, die Ibisherzu bewältigen war und noch zu bewältigen ist, nicht erschöpft. Eistrat von Anfang an eine grosse Schwierigkeit, eine ernste Sorge mithinzu, die gebieterisch Rücksicht verlangte. Der Krieg brachte miteinem Schlage eine schwere Stockung in unser ganzes Wirtschafts-leben, eine Stockung, die nur langsam überwunden wurde, währenddie eigentliche Kriegsarbeit erst allmählich heranwuchs. MeineHerren, ich erinnere Sie an die ersten Kriegstage. Da richtete (sichvor uns allen drohend das Gespenst der Arbeitslosigkeit auf.Für uns alle entstand die Frage: wie können wir der Arbeitslosig-keit vorbeugen, wie können wir die Folgen der Arbeitslosigkeit ab-mindern? Sehr kluge Leute haben damals Vorschläge gemacht,Notstandsarbeiten allergrössten Stils auszuführen, ohne Rücksichtauf den wirtschaftlichen Nutzen, nur um Beschäftigung für diefeiernden Arbeitskräfte zu finden und zu schaffen. Die Sorge warnicht unbegründet. Zuerst der Alpdruck des ungeheuerlichen Ge-schehens und der Ungewissheit der Zukunft, dann in einzelnenIndustriezweigen der Rohstoffmangel, der inzwischen fortgesetztgewachsen ist, die Einziehung des leitenden Personals, der Offi-ziere und Unteroffiziere des wirtschaftlichen Lebens die Sorgewurde also zur Wahrheit.

Ich gebe Ihnen einige Zahlen:

Von 100 Mitgliedern der Fachverbände waren arbeitslos imJuni 1914 2,5 Prozent, im Juli 1914 2,9 Prozent, dagegen imAugust 1914 22,4 Prozent. Im September, nachdem der ersteSchreck überwunden war, betrug der Prozentsatz der Arbeitslosig-keit immer noch 15,7 Prozent, und erst im Juni 1915 wurden die2,7 Prozent, das Niveau vor dem Kriege, wieder erreicht. Es hatalso ein volles Jahr gedauert, bis das Friedensniveau in dem Ver-hältnis von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage wieder hergestelltworden ist. Dann hat es sich vom Juni 1915 bis Juni 1916 ungefährauf derselben Höhe gehalten. Seitdem ist es weiter herunter-gegangen, bis auf 2 Prozent im September.

Die Entwicklung war natürlich sehr verschieden bei den Man-