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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
Entstehung
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nern und bei den Frauen. Bei den männlichen Arbei tern stand denauf Arbeitslosigkeit hinwirkenden Tendenzen die Einziehung zahl-reicher männlicher Arbeitskräfte gegenüber. Trotzdem ist auch hierzunächst eine starke Arbeitslosigkeit eingetreten. Die Arbeitsnach-frage bei den Arbeitsnachweisen bietet ein Bild dafür. Auf 100offene Stellen kamen im Juni 1914 bei den männlichen Arbeitern158 Arbeiter, also ein starker Ueberschuss des Angebots an Arbeits-kräften. Im August 1914 waren es 248 Arbeitsuchende auf 100offene Stellen. Der Satz ging dann zurück auf 125 im Januar 1915.Im April 1915 ist der Ausgleich erreicht: 100 Angebote auf 100offene Stellen; dann im Oktober eine Verminderung bis 85 An-geboten auf 100 offene Stellen. Vom Oktober an haben wir danneine gewisse Stabilität bis zum April 1916, dann eine Verminderungauf 77 im Juli und auf 64 im Oktober.

Bei den weiblichen Arbeitskräften kam erstens keine Ein-ziehung zum Heere in Betracht, zweitens eine Einschränkung undStillegung gerade solcher Betriebe, in denen weibliche Arbeits-kräfte stark beschäftigt waren. Ich erinnere nur an die Textil-industrie usw. Es ist also selbstverständlich, dass bei den weib-lichen Arbeitskräften die Entwicklung der Dinge nicht parallelgelaufen ist mit der Entwicklung bei den Imännlichen Arbeitskräften.Bei den Frauen kamen auf 100 offene Stellen im 1 Juli 1914 99 Ange-bote, also ein kleines Unterangebot. Nach Kriegsausbruch kamenim August 1914 202 Angebote auf 100 offene Stellen. Dann trateine Verminderung ein auf 167 Angebote im Juni 1915 und auf 165im Juli 1915, dann kam eine neue Steigerung auf 182 AngeboteOktober 1915, die erklärlich ist durch die wachsende Einschrän-kung in der Textilindustrie. Es folgte ein weiterer Rückgang biszum April 1916 auf 162 Angebote, der Juli 1916 zeigt 154, schliess-lich im Oktober 1916 die letzte Zahl, die Uns .zur Verfügung steht waren es noch 135 weibliche Angebote auf 100 offene Stellen.

Sie sehen also, dass bei den weiblichen Arbeitskräften eineschwere Krisis, die der Krieg brachte und die lange anhielt und sichzeitweise verschärfte, heute im wesentlichen überwunden ist. Aberganz im Gegensatz zu den männlichen Arbeitskräften, wo das An-gebot an Arbeitskräften um ein Drittel hinter der Nachfrage zurück-

He;ifferidi, Reden und Aufsätze. 17