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bleibt, haben wir bei den weiblichen Arbeitskräften immer nochein Arbeitsangebot, das die Nachfrage um ein Drittel übersteigt.
. Dabei wirkte bei den Frauen als heilsames Gegengewichtgegen die Arbeitslosigkeit die Möglichkeit der Einschiebung indie bisher von Männern besetzten Arbeitsstellen.
Diese Möglichkeit ist bei der Industrie und Landwirtschaft inallerweitestem Umfange verwirklicht worden. Ich habe die Zahleneiner beträchtlichen Anzahl von Betriebskrankenkassen daraufhinzusammenstellen lassen. Danach hat der Anteil der weiblichenArbeitskräfte an der Gesamtzahl der Arbeiter vom Juli 1914 bisJuli 1916 sich folgendermassen erhöht: in der Hüttenindustrie,der Metallbearbeitung, der Maschinenindustrie von 7 auf 19 Pro-zent, in der chemischen Industrie von 7 auf 23 Prozent, in der elek-trischen Industrie von 24 auf 55 Prozent. Meine Herren, das gibtIhnen ein ungefähres Bild davon, in welchem Umfange der Ersatzmännlicher Arbeit durch weibliche Arbeit in den für den Kriegarbeitenden Industrien heute schon durchgeführt ist. Ueber dieLandwirtschaft brauche ich nichts zu sagen. Sie wissen alle, inwelchem Masse die Frau, von der kleinen Bauersfrau bis zurgrossen Gutsherrin, heute schon ihre Arbeitskraft der Landwirt-schaft widmet, in welchem Masse heute schon die Frau der Bück-halt und die Stütze unserer landwirtschaftlichen Betriebe ist.Aber auch hier muss ich sagen: wir müssen noch weiter gehen alsbisher! Jede Frau, die heute Männerarbeit verrichtet, sei es in derLandwirtschaft oder der Industrie, sei es an der Drehbank oder inder Schreibstube, jede Frau, die heute einen Mann freimacht fürdas Feld oder für die Schwerarbeit, jede solche Frau ist heutesoviel wert wie der Mann, der draussen im Schützengraben vordem Feinde steht.
Nun lassen Sie mich zurückgreifen auf die Verhältnisse, wie sieim ersten Abschnitt des Krieges entstanden und sich entwickelten.Diesen Verhältnissen, d. h. der zunächst bestehenden Arbeitslosig-keit, mussten sich alle Massnahmen der Behörden und des Wirt-schaftslebens anpassen. Wir haben, um der Arbeitslosigkeit zusteuern, eine ßeihe von Massnahmen ergriffen, die, für sich genom-men, das Gegenteil einer rationellen Ausnutzung der Arbeitskräftesind. Es ist den Herren bekannt, dass wir für gewisse Betriebe,namentlich für die Textilindustrie, die Verwendung von arbeiter-