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Rede des Staatsministers Dr. Helfferich über die deutsche Volkskraft : geh. am 11. Okt. 1918 vor den Vertretern der Kriegsanleihe-Werbeorganisationen von Groß-Berlin und Brandenburg / [Karl] Helfferich
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Forderungen und Zumutungen bemessen, die sie vor oder beiden Friedensverhandlungen glauben werden uns stellen zukönnen. Unsere Feinde haben ein feines Empfinden für denfinanziellen Ausschlag der Volkskrast und des Volkswillens. Ichbrauche nur an das Wort Lord George's von den silber-nen Kugeln zu erinnern, mit denen er den Krieg gewinnenwollte, und an das Wort von den Schecks, mit denen unsereSchützengräben zusammengetrommelt werden sollten. Je besserdas Ergebnis der neunten Kriegsanleihe, je würdiger es sichcm das Ergebnis der früheren Kriegsanleihen anschließt, dieauch nicht alle nur in sonnenhellen Tagen gezeichnet wordensind, um so deutlicher wird unseren Feinden auf dem Feld derWaffen und am Tisch der Verhandlungen zum Bewußtseingebracht werden, daß wir nicht niedergebrochen, nicht reif fürjede Bedingung, sondern daß wir gewillt und imstande sind,für unsere Ehre und unser Dasein, wenn es sein muß, bis zumLetzten zu kämpfen und das Letzte zu opfern.

Es geht dabei nicht nur uni eine bloße Demonstration, umein bloßes taktisches Manöver, um unsere Feinde zu beein-drucken. Wir haben allen Ernstes mit der Möglichkeit zurechnen, daß unsere Feinde uns keine Wahl lassen, als denKampf bis zum Aeußersten fortzusetzen. Und wer will ausfalscher Friedenshoffnung oder aus kleinmütiger Verzagtheitoder auch aus lauer und bequemer^Selbstberuhigung heraus dieVerantwortung dafür übernehmen, daß unser Vaterland in demAugenblick, wo es zum schwersten Kampfe geht, der nötigenMittel entbehrt?

Es heißt, überall die Erkenntnis dafür zu wecken, welcheStunde geschlagen hat. Es ist die Schicksalsstunde unseresVaterlandes, und deshalb ist es die Stundeder äußersten Pflichterfüllung. Der Appell andie Pflicht gegenüber dem Vaterlande, an den kategori-schen Imperativ der Vaterlandsliebe hat im