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Rede des Staatsministers Dr. Helfferich über die deutsche Volkskraft : geh. am 11. Okt. 1918 vor den Vertretern der Kriegsanleihe-Werbeorganisationen von Groß-Berlin und Brandenburg / [Karl] Helfferich
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ist einmal durch die dem ganzen Volk aufgezwungene äußersteSparsamkeit in seiner Lebenshaltung, ferner durch die äußersteAnspannung aller irgend verfügbaren Arbeitskräfte, durch ar-beitssparende, die vorhandenen Stoffe bis zu den früher wert-losen Abfällen auf das äußerste ausnutzenden Erfindungen undArbeitsmethoden.

So hart und fchwer auch der Substanzverlust unseresVolksvermögens ist, der nur in-einer Reihe von Jahren an-gespanntester Arbeit wieder eingebracht werden kann, so bewegter sich doch innerhalb von Grenzen, die den bangen Zweifel, obDeutschland in der Lage sein wird, die finanziellen Lasten desKrieges zu tragen, einigermaßen zu beruhigen vermögen. Da-zu kommt, daß die Not des Krieges neue produktive Anlagenund neue produktive Kräfte geschaffen hat, die uns dauerndzugute kommen und uns den Wiederaufbau erleichtern werden.Ich erinnere an die Stickstoff- und Aluminium-Fabriken, andie Erfindung und praktische Bewährung zahlreicher neuer Ver-fahren, die Stoff und Arbeit ersparen und uns vom Auslandeunabhängiger machen. Die Not des Krieges hat bei uns tech-nische und organisatorische Fortschritte gezeitigt, wie sie kaumjemals in einer so kurzen Zeitspanne errungen worden sind.Und diese Fortschritte, zusammen mit der unverwüstlichen Le-bens- und Arbeitskraft des deutschen Volkes, geben mir diefeste Zuversicht, daß wir die ungeheuren Kriegslasten bewäl-tigen und uns wie in den schwersten Zeiten der Vergangenheit,so auch in den gewiß nicht leichten Verhältnissen, die uns bevor-stehen, wieder emporarbeiten werden.

Allerdings in dem finanziellen Verhältnis zwischen Staatund Staatsbürger hat sich eine ganz gewaltige Verschiebungvollzogen. Wenn der überwiegende Teil der Kriegsausgabenals Entgelt, leider oft als übermäßiges Entgelt, für die währenddes Krieges geleistete Arbeit bewirkt worden ist, so muß dieserTeil der Kriegskosten, um den sich das Volksvermögen nicht