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vermindert, die Verschuldung des Reichsfiskus aber erhöht hat,in einem Vermögenszuwachs der einzelnen privaten Unter-nehmungen und Staatsbürger zum Ausdruck kommen.
Der Ertrag der Kriegssteuer für die Jahre 1914 bis 1916— mehr als 5,7 Milliarden Mark — gibt eine Bestätigung,obwohl sicherlich ein Teil der eigentlichen Kriegsgewinne beidem Spielraum, den ein Kriegssteuergesetz notwendigerweiseim Interesse einer gesunden Wirtschaft für Abschreibungen undRückstellungen geben mußte, nicht entfernt im vollen Umfangerfaßt worden ist. Dazu kommt, daß die Kriegsausgabenkeineswegs nur einzelnen größeren Unternehmungen und wohl-habenden Einzelpersonen zugute -gekommen sind, sondernzweifellos in ganz gewaltigem Umfang auch der breiten Unter-schicht unserer Bevölkerung. Die hohen Löhne in der Kriegs-industrie, auch für Frauen und Jugendliche, die Verdienst-Möglichkeiten in der Landwirtschaft, auch für den kleinen Land-wirt, haben auch in diesen Schichten Ersparnismöglichkeiten inbisher nie gekanntem Umfang geschaffen, und zwar in einemmit der Dauer des Krieges stetig wachsenden Ausmaß. Dasdeutliche Zeichen hierfür ist die Entwicklung unserer Spar-kassen. Während vor Kriegsausbruch die Einlagen unsererSparkassen kaum jemals um mehr als 1 Milliarde Markwährend eines Jahres gestiegen sind, hat ihre Zunahme in denersten acht Monaten des laufenden Jahres 4U Milliardenbetragen, gegen 2,4 Milliarden im Jahre 1917 und nicht ganz2 Milliarden im Jahre 1916. Die Sparkasse ist bei uns dieBank des kleinen Mannes. Wenn unsere Sparkasseneinlageneine solche Entwicklung aufweisen, die jeden Vergleich mit dererstaunlichen Entwicklung unserer Bankdepositen aushält, sokann jedermann daraus entnehmen, daß die Verschuldung desReiches nicht nur in großen Kriegsgewinnen Einzelner, sondernin Ersparnissen der breitesten Schichten unseres Volkes einGegengewicht hat.