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Der Friede von Versailles / Rede an die akademische Jugend ... von Karl Helfferich
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teln und unter Aufbietung allen meines per-sönlichen Einfln^ses bei meinen Verbündetendie gerechten französischen Ansprüche hinsicht-lich Elsaß -lLothringens unterstützen werd e."Der- Kaiserbries war vom 31. März 1917 datiert. Wenige Tage nachseiner Absenkung besuchte Kaiser Karl unsem Kaiser im GroßenHauptquartier zu Homburg. Der ihn begleitende Graf Czernin machte damals zum ersten Male eine Andeutung, die uns die H e r-ausgäbe von Elsaß-Lothringen zumutete. PrinzSixtus entledigte sich in den ersten Apriltagen seines Auftrages beidem Präsidenten Poincare und begab sich dann zu LloyoGeorge nach London . Der französische Präsident, dem der PrinzElsaß-Lothringen auf dem Präsentierteller darbrachte, erklärte dasAngebot sür ungenügend und verlangte außer den Reichslanden dasSaargebret undGarantien auf dem linken Rhe in-u f e r". Lloyd George vertrat zunächst die Meinung, daß auf dasAngebot des österreichischen Kaisers eingegangen werden müsse, fügtesich aber schließlich auf der Konferenz von St. Jean de Maurienne (17. April 1917) der französischen Auffassung.

So war es damals mit dem Verständigungswillen der Ententebestellt!

Die nächsten Woä)en und Monate brachten, hauptsächlich wohlinfolge des wachsenden Drucks des U-Boot-Krieges, Anzeichen einesUmschwunges. Die Unruhe und Beklemmung in England wuchs,und die französische Regierung, die im April so hochmütig das An-gebot des österreichischen Kaisers abgelehnt hatte, tat nun ibrerseit»Schritte, um eine Fühlung mit den Mittelmächten aufzunehmen.In diese verheißungsvollen Anfänge platzte die von Herrn Erz-berger im Bunde mit der Wiener Politik veranstaltete Sensation.Herr Erzberger gab sich dazu her, die Geschäfte der Wiener Politikgegen die eigene Regierung zu besorgen. Statt Oesterreich-Ungarn bei der Stange zu halten und ihm den Rücken zu stärken, verstander sich dazu, sich mit dem weich und unzuverlässig werdenden Bun-desgenossen hinter dem Rücken der eigenen Regierung zu verbün-den, um die Stimmung im eigenen Volke zu zermürben und da-mit den Boden zu bereiten für einen Frieden nicht etwa der Ver-ständigung, sondern des Verzichts und der Unterwerfung, wie ihndie Wiener Politik damals uns zumutete. Die männlichen undweiblichen Röcke, vor denen Bismarck so eindringlich gewarnt hat,l^aben dabei ihre verhängnisvolle Rolle gespielt.

Nach außen bin, bei unseren Feinden und bei den Neutralen,war der Erfolg der ErzbevgMchen Aktion der Eindruck, daß Deutsch-land in die Knie breche, daß das deutsche Volk nicht mehr weiterkönne und jede Hoffnung anf eine glückliche Beendigung des Krie-ges aufgebe. Die feindlichen Staatsmänner, die von dem Brief de»Kaisers Karl Kenntnis hatten, konnten sick die Hände reiben: Nach