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Der Friede von Versailles / Rede an die akademische Jugend ... von Karl Helfferich
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Für jedes uns weggestohlene deutsche Handelsschiff sollte min-destens eine englische Stadt oder ein englisches Do-vf durch unsereKlugzeugo vernichtet werden."

Und der spätere unentwegte Bekämpfe? des U-Boot-Krieges läßtsich also vernehmen:

Wenn Deutschland einmal die wirAiche Blockade verhängt, dannauch keine Schonung, sondern rücks ichtslosesVers enkenjedes englischen Handelsschiffe s".

Der Artikel schließt mit den Worten:

Weichlichkeit und Sentimentalität im Kriege wären unverzeih-liche und polizeiwidrige Dummheit. Mag der Feinw alles von unssagen, so soll er beim Friedensschluß nur nicht das eine konstatie-ren können: daß die Deutschen die Dummm gewesen seien."

Ich habe Verständnis dafür, daß Herr Erzberger als Opportu-nist während des Krieges seine Ansichten geändert hat. Aber ichhabe kein Verständnis dafür, daß ein Mann, der im ersten Kriegs-jahr den Mund so übervoll nahm, späterhin die Leute, die nichtseine Fixigkeit im Umlernen besaßen, in der unerhörten, die Leiden-schaften des Volkes aufpeitschenden Weise befehden konnte. Jeden-falls steht dem Opportunisten, der seine Ansichten über Kriegführungund Kriegsziele in kurzer Zeit so radikal geändert hat, .die sittlicheEntrüstung schlecht zu Gesicht, mit der Herr Erzberger und seineLeute späterhin das deutsche Volk aufgewühlt, zermürbt und zu Ka-pitulation und Revolution reif gemacht haben.

In verhängnisvoller Weise verstärkt wurde die Walmidee desFriedenshindernis im eigenen Land durch das i r r s i n n i g e F l a-gellantentum, das da glaubte, durch die Selbstbezichtigungder Schuld am Kriege dem deutschen Volke die Gnadenpforte des Frie-dens öffnen zu können. Erst begann das Geraune und Getuschel im Ge-heimen, dann kamen Handzettel und vertrauliche Denkschriften, undschließlich ging es ganz öffentlich von Mund zu Mund und durchdie Blätter: ..Es ist ja unwahr, daß der Krieg ein Verteidigungs-krieg ist! Er ist ja von uns gemacht worden, vom Kaiser, vvn denMilitärs, von der Regierung! Man hat ja die serbische Geschichtenur als willkommenen Vorwand benutzt! Militarismus, Herrsch-sucht und Größenwahn wollten ihr Opier! Der Potsdamer Kron-rat vom ersten Julisonmtag hat ja lange vor der serbischen Ableh-nung des österreichischen Ultimatums den Krieg beschlossen!" All'dieses verlogene Gemunkel, all' dieser bösartige Klatsch erhielt Nah-rung durch die berüchtigte Denkschrift d e s F ü r st e n L i ä>nowsky, dieser Ausgeburt einer verletzten und dadurch ins Pa-thologische gesteigerten Eitelkeit; durch die sogenannte Denk-schrift des HerrnMühlon, den das furchtbare Erlebnisdes Krieges offenbar aus seinem seelischen Gleichgewicht gebracht hat;schließlich durch die tendenziösen Veröffentlichungen des Herrn KurtEisner . Begierig wurde dieses Gift der Selbftverleumdung von