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Der Friede von Versailles / Rede an die akademische Jugend ... von Karl Helfferich
Entstehung
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all' den Aufwieglern aufgenommen, denen an unseren? Sieg nichts,an der Revolution alles gelegen war. Geschäftig wurde daH Giltdurch taufend Kanäle in das Volk gebracht, in der Heimat und ander Front. Das ging an die Wurzeln unserer moralischen Kraft.Das Vertrauen von Volk und Heer auf unsere gute und gerechteSache, an. die Aufrichtigkeit seiner politischen und militärischen Füh-rer, an die Friedensliebe und Ehrenhaftigkeit seines Kaisers würd«erschüttert. Unser schärfstes Schwert wurde stumpf gemacht.

Heute noch sitzt dieses üble Gift unserem Volke im Blut undbindert seine Genesung, so klar und einwandfrei nachgewiesen wor-den ist, duxch amtliche und private Veröffentlichungen, daßunser Kaiser und unsere leitenden Männer in der Politik und imHeer, bis zur alleräußersten Grenze des Möglichen gegangen sind,um der Welt und dem eigenen Volke den Frieden zu erhaiten; daßihr einziger, und jedenfalls ihr größter Fehler der gewesen ist, daßsie, von der eigenen Friedfertigkeit durchdrungen, sich zu sehr aufdie friedfertige Gesinnung der anderen verlassen haben. Ich weißaus des Kaisers eigenem Munde er hat mir dasEnde August 1914 gesagt, als wir dem Sieg zum Greifen nahewaren wie er sich bis zum letzten Augenblick, selbst über die russi-sche General-Mobilmachung hinaus, für den Frieden eingesetzt hat, undwie bitter schwer ihm geworden ist, als keine Wahl mehr blieh untzdie Stunde drängte, seinen Namen unter den Mobilmachungsbefehl zusetzen. Ich weiß aus der eigensten und unmittelbarsten Wahr-nehmung, wie der Kaiser und wie seine Regierung vom ersten Tagdes Krieges an mit beißem Bemühen gesucht haben, einen Wog zumFrieden zu finden, zu einem anständigen und ehrenvollen Frieden,der uns ließ, was uns von Gottes und Rechts wegen gehört. Ichkann Ihnen die Versicherung geben: in keinem Augenblick des Kriegeskonnten wir denVorständigungsfrieden" haben, von dem unserePazifisten und Illusionisten träumten und mit dem sie das Volk be-schwatzten; einfach deshalb nicht, weil unsere Feinde unsere Nieder-werfung, unsere Vernichtung wollten. Wäre auch nur ineinem einzigen Augenblick bei unseren Fein-den Geneigtheit gewesen, ei! nen ,,V erständ i -g u n g s f r. i e d e n", einenFrieden ohne Annexio -nen und Kontributionen" mit uns abzuschlie-ßen, wir hätten denFrieden gehabt, derKaiserhätte ihn gemacht über alle Widerjstände imeigenen Lager hinaus.

Hören Sie den Grafen Czernin , dessen Friedenswille gewiß un-verdächtig ist! Er hat in seiner Rede vom 11. Dezember 1918 aus-geführt:

Wir (in Oesterr.-Ungarn ) hatten öfters dm Eindruck, daßwir imstande seien, einen Separatfrieden ohne Deutschland zuschließen, jedoch niemals wurden uns die konkreten Bedingungen