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genannt, unter denen Deutschland seinerseits Frieden schließenkönne. Niemals wurde uns vor allem erklärt, daß Deutschland seinen vorkriegerischen Besitzstand werde bekalten können. Dadurch,daß die Entente niemals erklären wollte, daß sie mit einem Deutsch-land sprechen wolle, welches keine Eroberringsabsichten babe, daßdie Entente immer erklärte, sie wolle Deutsch-land vernichten, zwauz sie uns gewaltsam t c., Verteidi-gungskrieg für Deutschland auf."Hier haben Sie die Bestätigung!, Auch alle die vielfachen Son-dierungen und Verhandlungen Wiens haben immer wieder ergeben,daß die Entente vielleicht Oesterreich-Ungarn mit einem blauen Augeherausgelassen hätte, daß sie aber mit Deutschland nicht verhandelnwollte, auch nicht mit einem Deutschland , dem alle Eroberungs-absichten fernlagen, daß vielmehr ihr Ziel der „Zlnoek-out-dlov"Llopd Georges war, die Vernichtung Deutschlands .
Unser Volk hat dm Worten nicht geglaubt. Es wird mir immerunbegreiflich bleiben, daß es auch aus den handgreiflichsten Tatennicht begriffen hat, um was es unserm Feinden ging. Ich denkean die entsetzlichen fünf Wochen zwischen unserem Ersuchen umWaffenstillstand am 5. Oktober und seinem Inkrafttreten am 11. No-vember vorigen Jahres. Am 5. Oktober haben wir die Wilsonschen14 Punkte als Grundlage des Friedens angenommen, also nicht nureinen Frieden der Verständigung, sondern eimn Frieden großer undschwerer Opfer; denn das Wilsonsche Programm bedeutete für unsdie Preisgabe Elsaß-Lothringens und eines Teiles unserer Ostmar-ken. Das große Morden war damit zwecklos und sinnlos geworden.In dem folgenden Notenaustausch erklärten wir uns bereit, die be-setzten Gebiete kampflos, zu räumen. Das große Morden war erstrecht zwecklos und sinnlos geworden.. Aber was erlebten wir? Tagund Nacht überschütteten unsere Feinde unsere Truppen, die bereitwaren, den Kampf einzustellen und sich zurückzuziehen, mit einemEisenhagel aller Kaliber, bis zum allerletzten Augenblick, bis zum11. November Glockenschlag 12 Uhr! Tausende und Abertausendemußten täglich weiter verbluten! Es war kein Krieg mehr, es warLustmord im großen! Wenn die Auflistung des Krieges für die-jenigen, die die Schuld trifft, ein ungeheures Verbrechen war,nvck größer ist das Verbrechen dieser fünf Wochen des Mordens umdes Mordens willen, des Mordens um keines anderen Zwecks, alsnoch möglichst viel deutsches Blut fließen zu lassen.
So zeigten unsere Feinde ihren Verständigungswillcn, ihreFriedenshoreitschaft, ihre Menschlichkeit! Hunderttausende habenes gespürt, und ach! wie wenige haben es begriffen! Sotief saß bereits in den Köpfen die Verwirrung, daß die Worte einesWilson, nachgesprochen von blindwütigen Agitatoren und Revolutio-nären , mehr Glauben fanden als die Kanonen und Maschinen-gewehre unserer Feinde.