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Die Baumwollfrage : ein weltwirtschaftliches Problem / von Helfferich
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Die Baumwollfrage.

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> Nachfrage richtet. Wer gar das Monopol der Herstellung oder des Vertriebes einesfür andere unentbehrlichen Bedarfsartikels besitzt, der ist zwar immer noch davonabhängig, daß diese anderen ihm die Dinge zur Verfügung stellen, deren er selbst be-nötigt, aber seine Machtstellung ist eine solche, daß er die Bedingungen des Austauschesförmlich diktieren kann. Genau ebenso liegt es in Ansehung des Verhältnisses zwischenden einzelnen der am Weltverkehr beteiligten Volkswirtschaften. Ein wenig kapital-kräftiges oder verschuldetes Land, dessen Produzenten und Kaufleute gezwungen sind,ihre Waren so rasch wie möglich loszuschlagen, ist stets im Nachteil gegenüber Ländern,die infolge der Kapitalkraft ihrer Produzenten nnd Händler mit ihrem Angebot zurück-halten und auf eine günstige Absatzgelegenheit warten können. Ein Land, das fürwichtige Welthandclswaren ein mehr oder weniger ausgeprägtes Monopol besitzt, hat

, im internationalen Verkehr eine stärkere Position als Länder, die darauf augewiesensind, ihre Erzeugnisse in scharfer Konkurrenz abzusetzen. Das gilt nicht nur für dieGestaltung der Verhältnisse, wie sie sich aus dem freien Spiel der Kräfte auf demWeltmarkte ergibt, sondern auch hinsichtlich der Möglichkeiten der Einwirkung auf diehandelspolitischen Maßnahmen der einzelnen Länder, insbesondere in Hinblick auf dieMöglichkeit, durch Handelsverträge für das eigene Land günstige Konknrrenzbedingungenzu sichern. Ein Land, das günstige Absatzbedingungen für seinen Export erreichenwill, muß unter Umständen in der Lage sein, den Export des fremden Landes, wenndieses kein Entgegenkommen zeigt, durch Einfuhrerschwerungen treffen zu können. SolcheMaßnahmen werden um so eher möglich seiu, je mehr der fremde Staat auf den Absatznach einem bestimmten Lande angewiesen ist, und umsoweniger, je niehr ein Land genötigtist, für seinen Verbrauch oder seine Produktion unentbehrliche Stoffe aus dem fremdenLande zu beziehen. Deutschland z. B. ist für seineu Bedarf au Getreide, soweit erdie eigene Produktion übersteigt, nicht auf irgend ein bestimmtes fremdes Land an-gewiesen. Wenn es in einem Zollkriege mit einem großen Getreideproduktiouslande dieEinfuhr dieser Ware erschwert, so kann es seinen Bedarf ohne allzu große Schwierig-keiten aus anderen Quellen decken. Nehmen wir aber einmal Kupfer, als einen derwichtigsten Rohstoffe der großen elektrischen Industrie, so hat Deutschland hier alsBezugsquelle für den seine eigene Produktion überschreitenden Bedarf fast nur die Ver-einigten Staaten von Amerika zur Verfügung. In welchem Maße Deutschland hin-sichtlich des Bezuges von Baumwolle auf die Vereinigten Staaten angewiesen ist, werdenwir noch näher zu erläutern haben. Infolge dieser Sachlage ist es für Deutschland

> unmöglich, die Vereinigten Staaten durch einen Zoll auf die Einfuhr von Kupfer undBaumwolle zu treffen; die deutsche Industrie würde trotz des Zolles vou Nordamerika kaufen müssen, sie allein würde unter der Erhöhung des Preises dieser wichtigen Roh-stosse zu leiden haben, vor allem in ihrer Exportfähigkeit. Die Vereinigten Staaten dagegen sind kaum für eine der wichtigsten Einfuhrwaren auf irgend ein bestimmtesLand als Bezugsquelle unbedingt angewiesen.

Die Wandclbarkeit der historisch gewordenen Grundlage!?, auf denen derinternationale Warenaustausch beruht, zwingt ein jedes am Welthandel beteiligtes Land,die Angen offen zu halten für die sich fortgesetzt weiter vollziehenden Veränderungenund rechtzeitig Vorsorge zu treffen, um die eigene Volkswirtschaft gegen nachteilige

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