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Die Baumwollfrage,
zugrunde gegaugeu; daß er sich in der Richtung der Preisbewegung nicht geirrt hat,daß die Hausse in Baumwolle in der Gestaltung von Produktion nnd Bedarf eine sehrreale Grundlage hatte, dafür sind die Wirkungen seines eigenen Zusammenbruchs einBeweis. Je mehr für eine starke Hausse die tatsächlichen Vorbedingungen fehlen, destostärker der Preissturz, der auf den Zusammenbruch der Haussespekulation folgen muß-Nach dem Zusammenbruch der Baumwollhausse in der ersten Februarwoche 1904 habensich die Baumwollpreise zwar niedriger gestellt als in den letzten Wochen der Überspekulation,aber sie halten sich auch heute noch auf einem Niveau, welches nicht unwesentlichhöher ist als der Durchschnitt selbst des Jahres 1903 und mehr als doppelt so hochwie der Durchschnitt des Jahres 1898.
Die europäischen Baumwollindustrien werden demnach fürs nächste mit demFortbestand relativ hoher Baumwollpreise und infolgedessen vielleicht mit einem Rück-schlag in der Entwicklung des Verbrauchs von Baumwollwaren rechnen müssen. Auchan eine größere Stetigkeit der Preise, wie sie für die gesunde Entwicklung der In-dustrie nötig ist, kann so lange nicht gedacht werden, als Amerika vermöge seinesunbedingten Übergewichts in der Baumwollproduktion die Preise diktiert und als manes der wilden Spekulationslust der Amerikaner nicht verwehren kann, die schwierigenVerhältnisse der Baumwollversorgung zu einem Fangballspiel mit den Baumwoll-preisen auszunutzen.
III.
Die geschilderte Entwicklung von Baumwollproduktion und Baumwollverbrauchstellt die europäischen Staaten vor das Problem, auf welche Weise sie die Grundlageneiner ihrer allerwichtigsten Industrien gegenüber der wachsenden Bedrohung durch dieKnappheit der Rohstoffzufuhr und durch das Rohstoffmouopol der Vereinigten Staatensicherstellen können.
Die europäische Baumwollindustrie selbst hat bis vor wenigen Jahren jedenSchritt zu einer solchen Sicherung ihrer Existenzgrundlagen unterlassen. Es war für sieam bequemsten, ihr Rohmaterial dort zu kaufen, wo es in der besten Qualität und zn denbilligsten Preisen zu kaufen war. Auf diese Weise haben die Vereinigten Staaten dieanderen Produktionsländer — abgesehen von Ägypten — mehr und mehr verdrängt.Von dem großen an sich für den Baumwollbau geeigneten Areal, das auf der Erdezur Verfügung steht, von dem „Oottvn IZsIt,", wie der Engländer sagt, ist heute nurein verhältnismäßig kleiner Teil für den Baumwollbau in Benutzung genommen.Die Baumwollerzeugung konzentriert sich heute mehr auf ganz bestimmte Gebiete, alses in früheren Zeiten der Fall war. Solange Amerika der europäischen Industrie inübergroßer Fülle und zu fortgesetzt weichenden Preisen die benötigte Rohbaumwollezur Verfügung stellte, dachten die Industriellen in keinem europäischen Staate daran,sich unter Opfern neben Amerika andere Bezugsquellen zu erhalten oder neue Bezugs-quellen aufzuschließen.
Charakteristisch ist in dieser Beziehung das Schicksal, das bei uns in Deutsch-land der erste Anlauf zur Beförderung der Baumwollkultur in unseren Kolonien hatte.Es ist über dieses Vorspiel zu den heutigen Versuchen auf dem Gebiet der kolonialen