Die Baumwvllfrcigc,
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Baumwollkultur bisher selbst in engereu Kreisen kaum etwas bekannt, aber diesererste, wenn auch schließlich erfolglose Schritt ist gerade in Beziehung zu den heutigenBestrebungen interessant genug, um der Vergessenheit entrissen zu werden.
Der Vater des Gedankens einer planmäßigen Förderung der Baumwollknlturin den deutschen Kolonien ist kein Geringerer als der Reichskanzler Fürst Bismarck .Am 17. September 1889 brachten die „Berliner Politischen Nachrichten" einen kurzenAuszug aus einem Artikel der „NimolieZtsr Dxg,miuki- g,vä l'imes" über die Kulturder Baumwolle in Westafrika . In dem Artikel war die Frage aufgeworfen, ob esnicht möglich sein sollte, die Eingeborenen Afrikas zur Anpflanzung von Baumwollezu veranlassen; das Operationsfeld ; für ein solches Unternehmen müsse an der West-küste Afrikas liegen, von wo wir etwa ebensoweit entfernt wären, wie von New-Orleans, ohne — wie es bei dem Bezug von Baumwolle von der Ostküste Afrikas der Fall wäre — Kanalgebühren zahlen zu müssen. Dieser Artikel gab dem FürstenBismarck Anlaß zu der Anordnung, es sollte Herr v. Soden, der damalige Gou-verneur von'Kamerun , zu einer gutachtlichen Äußerung darüber aufgefordert werden,ob und in welcher Weise die Baumwollkultur in unseren westafrikanischeu Besitzungeneingeführt werden könne. Desgleichen solle Herr v. Hansemann über die Aussichtender Baumwollkultur in Neu-Guinea gehört werden. Dabei bekundete Fürst Bis-marck als seine Ansicht, daß ihm der Anbau von Baumwolle da, wo er möglich sei,als eines der wichtigsten Mittel zur wirtschaftlichen Förderung überseeischer Gebieteerscheine. Nachdem dem Reichskanzler umgehend Vortrag über die damals schon vor-liegenden Feststellungen über das Vorkommen von Baumwolle und über die privatenVersuche mit Bammvollpflanzungen in den deutschen Schutzgebieten gehalten wordenwar, ließ der Reichskanzler die deutsche Gesandtschaft in Washington anweisen, siesolle die Konsuln in den amerikanischen Baumwolldistrikten zum Bericht auffordern, obdort eine geeignete Persönlichkeit, womöglich deutschen Ursprungs, zu finden wäre, dieman nach unseren westafrikanischen Besitzungen oder Neu-Guinea entsenden könnte, uman Ort und Stelle die Baumwollpflanzungen zu überwachen und mit Rat und Tateinzugreifen. Gleichzeitig erklärte sich der Reichskanzler bereit, die Kosten auf seinenDispositionsfonds zu übernehmen.
Da es Schwierigkeiten machte, in den Vereinigten Staaten eine geeignetePersönlichkeit zu finden, wurde ein Pflanzer, der in der Südsee in der Baumwollkulturtätig gewesen war, als Sachverständiger engagiert und im Mai 1890 zunächst nach Togo und dann nach Kamerun ausgesendet. In beiden Schutzgebieten wurden kleinereVersuchspflauzungen angelegt; da aber offenbar ohne System und ohne die not-wendigen Vorarbeiten verfahren wurde, war das Ergebnis kein befriedigendes. Auchdie Versuche, die Eingeborenen heranzuziehen, scheiterten. Der Sachverständige berichtetedarüber aus Togo im Herbst 1890, es sei in den 60 er Jahren Baumwolle ingrößeren Mengen von den Eingeborenen angebaut und von französischen Kaufleutenfür den Export aufgekauft worden. Mit dem starken Preisrückgang nach dem ameri-kanischen Bürgerkrieg sei jedoch ein böser Rückschlag gekommen, der den Baumwollbaubei den Eingeborenen in Verruf gebracht habe. Er habe versucht, die Häuptlinge fürden Baumwollbau zu interessieren, doch ihre Frage sei stets: was sollen wir mit der