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Die Baumwollfrage : ein weltwirtschaftliches Problem / von Helfferich
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Die Baumwollsrage.

rung in der Kolonie Togo einen praktischen Versuch mit der Einführung der Baum-kultur nach einem wohlvorbereiteten und systematischen Plane zu unternehmen. InEngland wurden die von einzelnen Handelskammern (vor allen von Oldham, Man-chester und Liverpool ) ausgehenden Bestrebungen im Mai 1902 in derLritisli<üottoQ Oi-ovinA ^LsoLiAtlon^) zusammengefaßt. Im Januar 1903 gründeten diefranzösischen BaumwoUinteressenten nach dem deutschen und englischen Vorbild die^.ssociAtioii Lottoniörs Oolonials"^) und noch in demselben Jahre thaten sichdie belgischen Interessenten gleichfalls zu einer^.Zsooistion Oottonisi's" zusammen.

Es ist natürlich, daß die einzelnen Vereinigungen ihr Augenmerk zunächst aufdie für den Baumwollbau geeigneten Kolonien ihres Heimatlandes richteten; daß sieauf Gruud der bisherigen Kenntnisse und Erfahrungen in eine Prüfung darüber ein-traten, welcher Teil ihres Kolonialbesitzes für die Einführung einer leistungsfähigenBaumwollkultur den besten Erfolg verspreche.

Soviel bis jetzt feststeht, kommeu in erster Linie in Betracht die westafrikanischenKolonien Englands, Frankreichs und Deutschlands , in denen die klimatischen Ver-hältnisse, die Bodenbeschaffenheit und die Bevölkerung besonders günstige Vorbedingungenfür den Baumwollanbau darstellen. Die Baumwolle ist seit den ältesten Zeiten injenen Gebieten einheimisch, und zur Zeit der Baumwollnot wnrdcn nicht unerheblicheQuantitäten von Baumwolle von dort exportiert. Die Baumwollausfuhr von Lagos allein betrug noch im Jahre 1870 etwa 1 Million Ibs., hörte aber dann ebenso wiedie oben erwähnte Baumwollausfuhr aus Togo infolge des Preisrückgangs so gutwie vollständig auf. Die einheimische Baumwolle ist allerdings überwiegend in einemmehr oder weniger verwilderten Zustand, aber es haben sich auch unter den einheimischenArten Qualitäten gefunden, die der Durchschnittsqualität der amerikanischen Baum-wolle überlegen sind, und vor allem hat es sich möglich gezeigt, durch Kreuzungen undrationelle Kulturmethoden ein Produkt zu gewinnen, das es mit dem amerikanischendurchaus aufnehmen kann.

Neben Westafrika scheinen vor allem Britisch- und Dentsch-Ostafrika sowieBritisch-Zentralafrika günstige Aussichten zu bieten, und zwar namentlich für dieProduktion einer der ägyptischen Baumwolle nahe kommenden Qualität. Es wirdnamentlich in England viel bemerkt, daß während bisher alle Versuche, die ägyp-tische Baumwolle in Amerika oder Indien zu naturalisieren, gescheitert sind dieägyptische Baumwolle in Ostasrika ihre charakteristische nnd wertvolle Eigenschaft, denlangen und seidenartigen Stapel, behält. Eine Baumwollprobe aus Deutsch-Ostafrika wurde von der Liverpooler Baumwollbörse alstns dsst L^Man substituts evsrxroäucöä" bewertet.

Abgesehen von den beiden genannten Länderkomplexen, kommen für die Versuchemit Baumwollkulturen in dem großenvottov Lslt" natürlich noch zahlreiche andere

Die vollständigste Auskunft über die Arbeiten dieser Vereinigung ist enthalten in dembereits mehrfach erwähnten Bericht von Hutton, abgedruckt in der ,>Vest ^kriean Mail" vom19. Februar 1904.

Vergl. den Bericht von Maigret in derRevue clss Lulturss Oolouiales^ vom

5. März 1904.