Die Baumwollfrage.
N
Gebiete in Betracht; für die Engländer vor allem Westindie», woher vor hundertJahren England die Hälfte seines Bedarfs an Rohbaumwolle bezog; für Deutschland außerhalb seines eigenen Kolonialreichs vor allem gewisse Gebiete in Kleinasien , indenen wir heute schon größere wirtschaftliche Interessen haben.
Kurz, es ist ein gewaltiges und aussichtsvolles Feld, das der Tätigkeit dereuropäische» Banmwollvereinigungen offensteht. Aber auch darüber darf man sichwohl keinen Illusionen hingeben, daß es großer Aufwendungen sowie einer ausdauerndenund planmäßigen Arbeit bedürfen wird, um dieses Feld für die europäische Baumwoll-industrie nutzbar zu machen.
Das deutsche Kolonialwirtschaftliche Komitee darf stolz darauf sein, daß esnicht nur den Anstoß zu der wirksamen Organisation der kolonialen Baumwollkultur-versuche gegeben hat, sondern daß es auch mit seiner Arbeitsmethode — namentlich inWestafrika — vorbildlich gewirkt hat. Dieses große Verdienst wird auch vom Aus-lande neidlos anerkannt. So hat Mr. Hutton in seinem mehrfach erwähnten Be-richt ausgeführt:
„Der Goldküste benachbart ist die deutsche Kolonie Togo, die zwar nicht indas Bereich meines Themas fällt, die jedoch höchst interessant ist als das Gebiet, aufdem der erste Versuch, den Baumwollbau auf einer wissenschaftlichen Grundlage inWestafrika einzuführen, gemacht worden ist. Das deutsche KolouialwirtschaftlicheKomitee hat dort seine Arbeiten im Jahre 1301 begonnen, und hat — wie alles,was diese intelligente Nation tut — sein Unternehmen von vornherein ans eine ge-sunde und wissenschaftliche Grundlage gestellt. Es ist dort eine große erzieherischeArbeit geleistet worden, und es sind alle Arten von Versuchen ausgeführt worden, wiedas Hybridisieren und Sterilisieren des Samens, Versuche mit künstlicher Befruchtungder Baumwolle, ferner Versuche mit Impfungen des Viehs gegen die Tsetsefliege usw.Das Komitee hat uns in der entgegenkommendsten Weise die Ergebnisse seiner Erfah-rungen zur Verfügung gestellt, nicht nur in Westafrika, sondern auch in Ostafrika undanderwärts, und ich freue mich sagen zu können, daß zwischen dieser wichtigen Ver-einigung und der britischen Oottov. (ZrowinZ ^.ssoLiativri die besten Beziehungen be-stehen, und daß auf beiden Seiten anerkannt wird, daß England und Deutschland bei demgegenwärtigen Wellengang in demselben Boote sitzen und sich gegenseitig helfen müssen."
Das System, nach welchem das Kolonialwirtschaftliche Komitee bisher inTogo gearbeitet hat und das in seinen wesentlichen Zügen von den Engländern uudFranzosen in ihren westafrikanischen Besitzungen adoptiert worden ist, geht daraufhinaus, den Baumwollanbau als Eingeborenenkultur, d. h. als Kleinkultur derackerbautreibenden Eingeborenen, einzuführen, und zwar unter Zuhilfenahme amerika-nischer Neger, die theoretisch und praktisch in der Baumwollkultur ausgebildet sind.Einige solche Baumwollexperten sowie die notwendige maschinelle Ausrüstung wurdenvon dem unter der Leitung des bekannten Booker Washington stehenden l'usIiöAesNormal ancl In»Zustii^1 Institute in Alabama beschafft.
Im November 1900 trat die erste Baumwollexpedition des Kolonialivirt-schaftlichen Komitees ihre Ausreise nach Togo an. Ihre Aufgabe war eine vor-bereitende; sie sollte die Möglichkeit einer rationellen Baumwollkultur als Eingeborenen-