Druckschrift 
Die Baumwollfrage : ein weltwirtschaftliches Problem / von Helfferich
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

^4

Die Baumwollfrage.

kultur in Togo festellen und gegebenenfalls die Marktfähigkeit des Produkts für diedeutsche Industrie nachweisen. Die Aufgabe wurde gelöst durch die Errichtung einerVersuchs- und Lehrstation in Tove, im Zentrum des für den Baumwollanbau in Be-tracht kommenden Gebiets, und durch die Errichtung einer Anzahl von kleineren Versuchs-farmen bei den einzelnen Regierungsstationen, deren Leiter angewiesen waren, denBestrebungen der Expedition jede mögliche Förderung angedeihen zu lassen. DiePflanzung in Tove stellte in zahlreichen Versuchen die günstigste Pflanzzeit fest undermittelte die für den Anbau sich am besteu eignenden Varietäten; sie zog ferner Ein-geborene aus den verschiedensten Teilen der Kolonie heran, um sie in der Anwendungrationeller Kulturmethoden, im Gebrauch von Pflug, Ginmaschine und Presse usw. zuunterweisen. Auf Grund der Erfahrungen der Versuchspflanzung in Verbindung mitdenjenigen der Statiousfarmen konnte das Komitee die Ergebnisse des ersten Versuchs-jahres (1901) dahin zusammenfassen, daß das für den Baumwollanbau geeigneteAreal der Kolonie Togo an Ausdehnung ungefähr dem Baumwollareal Ägyptens ent-spreche; daß die klimatischen und Bodenverhältnisse für die Baumwolle günstig seien;daß die erzielte Baumwolle in ihrer Qualität mindestens der Marke wiclälinA Ainei-ieaugleich, iu ihrer Ausgiebigkeit jedoch noch verbesserungsfähig sei; daß die verhältnis-mäßig dichte Bevölkerung zur Aufnahme der Baumwollkultur sich hinreichend willigund intelligent zeige; daß schließlich die Rentabilität der Baumwollkultur als Ein-geborenenkultur gesichert erscheine, sobald eine Verbilligung des Transports, insbesonderedurch den Ban einer Eisenbahn von der Küste nach dem Hinterlande, erreicht sei.

Auf dieser im ersten Versuchsjahr gewonnenen Grundlage ist seither mitwachsendem Erfolg weiter gearbeitet worden. Vor allem ist das Komitee dazu über-gegangen, an einzelnen Plätzen schwarze amerikanische Baumwollfarmer als Lehrmeisteranzusiedeln und eine Reihe von Stationen zu errichten, die mit Ginmaschinen undBaumwollpressen ausgestattet sind, die gleichzeitig die von den Eingeborenen produzierteBaumwolle zu bestimmten Preisen aufkaufen und die ferner die Eingeborenen mit demgeeigneten Saatgut versehen. Neben der Versuchspflanzung in Tove ist im Atakpame-bezirk eine Banmwollschule für Eingeborene errichtet worden, die unter der Leitungdreier farbiger Amerikaner steht. Diese Organisation, welche den Eingeborenen vorallem den Absatz ihres Erzeugnisses außerordentlich erleichtert und ihnen damit einerhöhtes Interesse am Baumwollbau gibt, hat ihre Spitze erhalten in der im Jahre 1903eingerichteten Baumwolliuspektion, deren Leitung einem erprobten deutsch -amerikanischenBaumwollfarmer anvertraut ist und der außerdem ein in Westafrika erfahrener Kauf-mann und ein Maschinenmeister angehören. Die Mitglieder der Inspektion bereisenwährend der Pflanzungs- und Ernteperiode das ganze Baumwollgebiel, um den Pflanzernmit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Sie überwachen ferner die Versuchsstation,die Baumwollschule, die Aufkaufs- und Ginstationen.

Der Erfolg der bisherigen Tätigkeit ist eine Verbilligung des Ginnens unddurch eine vorteilhaftere Pressung auch des Transports, ferner eine Steigerung derAusgiebigkeit der Baumwolle, eine fortschreitende Verbesserung der Qualität und eineerhebliche Vergrößerung der Anbaufläche und der Erntemeuge. Kreuzungsversucheamerikanischer mit einheimischer Saat haben für die Togo -Baumwolle als bisher höchste