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Grenzen? — Ist der uns aufgezwungene Kampf um das tägliWBrot unseres Volkes weniger heilig, weniger gebieterische Not-wendigkeit als der Kampf um den vaterländischen Boden?Ich wünschte, daß Jedermann im Deutschen Reich bis zum be-scheidensten Arbeiter sich diese Fragen vorlegte. Ich wünschte,daß alle Blätter, die in den arbeitenden Schichten unseres!Volkes gelesen werden, täglich im Sperrdruck die Mahnungenthielten:
„Deutscher Arbeiter, der Krieg gehi um dein käglichesBroi!"
Meine Herren! Wenn die Einsicht in diese ZusammenhängeGemeingut des deutschen Volkes wird, dann ist mir nicht bangeum den Wirtschaftssrieden. Dann wird das deutsche Volk trotz!aller furchtbaren Opfer und aller schweren Leiden des Kriegesdie Entschlußkraft finden, weiter zu kämpfen und durchzuhalten,bis unsere Feinde sich bequemen, uns die Gleichberechtigungauf dieser Erde und damit das Recht auf Dasein und Entwick-lung zuzugestehen.
Auf diesem Standpunkt sind unsere Feinde heute noch ni'ckjr^weder die Regierenden, noch die Regierten, weder die Protektio-nisten noch die Freihändler, weder die Unternehmer noch dieArbeitermassen.
Balfour hat neulich aus die weit entgegenkommende, Ver-söhnliche Rede unseres Reichskanzlers geantwortet, er könnenoch keinen Schimmer einer Hoffnung auf Frieden erblicken.^Ich kann daraus nur die Bestätigung dafür entnehmen:Das England von heute will diesen Krieg nach Art seinerKriege gegen Spanien, Holland und Frankreich zu Endeführen, es will gutwillig iricht aus seine Ziele verzichten,die für ein lebensfähiges und aufstrebendes Deutschland in der Welt keinen Raum lassen.
Und hie Völker der Ententeländer, auf deren Friedens-wille so mancher bei uns gerechnet hat? — Ich brauche hier-über nicht viel zu sagen nach den schlagenden Ausführungen,die der Herr Handelsminister dieser Tage im PreußischenAbgeordnetenhaus gemacht hat. Aber ich habe einen noch un-verdächtigen Kronzeugen, abermals den „Vorwärts". Er hatvor etwa vierzehn Tagen zu dem Programm der Inter-alliierten Sozialisten geschrieben:
„Es kann insofern eine Gefahr für den Frieden werden, alsdie Staatsmänner der Entente geneigt sein könnten, es als eineArt volkstümlichen Mindestprogramms aufzufassen. Es wäreein Fortschritt, wenn die Interalliierten Sozialisten erklären