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Zur deutschen Münzgesetzgebung : Vortrag, 1871 im Berliner Handwerkerverein gehalten / von L. Bamberger
Entstehung
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Münzmeister an die Spitze der englischen Geldangelegenheitengestellt wurde und es ihm gelang, durch rasche und energischeMaßregeln die gesammte verschlechterte und entwerthete umlau-fende Münze einzuziehen und vollwerthige wieder auszugeben.Indem er so der Gründer des neuen und soliden Verhältnissesder englischen Münze wurde, erwarb er sich ein hohes Verdienstum sein Vaterland.

Nur noch ein zweites Beispiel, das dem Leser ohne Zweifelnoch näher bekannt ist: die Kalamität der französischen Assigna-ten. Es ist Jedem erinnerlich, daß die Finanzverlegenheiten derfranzösischen Revolution sehr bald dazu führten, daß man anStelle des sich immer mehr versteckenden und nach England sichbegebenden Silbergeldes Papiergeld zu dekretiren und demselbeneinen festen Werth zu sichern bemüht war; daß man Anweisun-gen ausgab auf eingezogene Güter des Adels und der Geistlich-keit, welche als hypothekarische Sicherheit dafür dienen solltenund die zum Theil auch mit diesem Gelde eingekauft werdenkonnten. Es dauerte aber gar nicht lauge, so war die Entwer-thung dieses Papiergeldes bis zu dem Grade vorgeschritten, daß1 Livre in Silber gleich 6 Livres in Papier war. In demGeiste der damaligen Gesetzgebung und des damaligen Regimen-tes lag es, an einem solchen Hinderniß sich nicht von vornhereinzu stoßen, sondern wie jene Revolution überhaupt glaubte, mitMachtbefehlen die ganze Welt zu einem harmonischen Systemreorganisiren zu können, so glaubte sie auch, daß es nur einerenergischen Diktatur bedürfe, um dies Papier vollständig gleichzu machen mit dem Metallgelde. Weil nun das Papiergeld seineUngleichheit gegen das Silbergeld zunächst darin zeigte, daß manzweierlei Waarenpreise eingeführt hatte, einen für den, der mit

Assignaten kaufte, den andern für den, der mit Metall kaufte^

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