Druckschrift 
Zur deutschen Münzgesetzgebung : Vortrag, 1871 im Berliner Handwerkerverein gehalten / von L. Bamberger
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

Erscheinung hervor, daß, während man Amerika theils mitWaaren, theils mit Gold bezahlt hatte, sich in Indien das Ver-hältniß ganz anders stellte. Der Austausch mit Waaren nachdem großen Indien ist nicht so bedeutend als nach dem civilisir-ten Amerika ; aber abgesehen davon müssen wir das Phänomenfesthalten, daß der weit entlegene Orient das Gold als Münzen-metall noch sehr wenig kennt; China, Japan , Indien kenneneigentlich nur Silbermünzen. Daher kam es, daß man, umdiese Baumwolle zu beziehen, die so nöthig ist wie das täglicheBrod, sich Silber verschaffen mußte, um sie zu bezahlen, undnun wurde es in allen Ritzen, Löchern und Spalten, wo es nuraufzufinden war, ausgesucht, aufgekauft und nach Indien zuMillionen versandt. Ein zweites, fast gleichzeitiges Phänomenwar die Krankheit der Seidenwürmer in Italien . Bis dahinhatte Europa für seine Seidenverarbeitung, also namentlich Süd-frankreich, besonders die Provinz Lyon , unsere rheinischen Pro-vinzen, besonders Krefeld, Elberfeld:c., selbst England den größ-ten Theil der Rohseide aus Italien bezogen, wo in verschiedeneuProvinzen, in Piemont und der Lombardei , Jstria und Friaul,im Kirchenstaat und in der Provinz Neapel, in Sicilien, na-mentlich um Palermo, Messina und Catanea, ein ganz bedeuten-der Seidenbau besteht. Die Krankheit der italienischen Seiden-würmer zwang die Industrie nun wieder, sich des Rohmaterialswegen nach dem Orient zu wenden, wo China und Japan Seideproduziren. Zur Bezahlung der Produzenten war wieder Silbernöthig, nnd es entstand eine Schwankung der Edelmetallpreise,welche das Silber im Verhältniß zum Gold gegen die Durch-schnittspreise der letzten 50 Jahre etwa um 3 pCt. hinaustrieb.Dies war ein momentaner Triumph für die UnglücksprophetenChevalier und Genossen, aber es währte nur so lange, bis der

2 * (SSl)