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Zur deutschen Münzgesetzgebung : Vortrag, 1871 im Berliner Handwerkerverein gehalten / von L. Bamberger
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amerikanische Krieg beendigt und die schlimmste Noth der Seiden-würmer in Italien vorüber war, umsomehr als die Engländergezwungen auch den Versuch gemacht hatten, die Asiaten mitdem Golde als Münzmetall zu befreunden. Dieser Versuch ge-lang indessen nicht, es gingen einmal 100 Millionen nachIndien, aber es griff nicht durch. Trotzdem der Anblick desGoldes für uns einen größeren Reiz hat, konnten sich die zähe-ren Orientalen, die an das Silber gewöhnt waren und au demAlthergebrachten mehr hängen, nicht damit befreunden, und esmußte in letzter Zeit der Versuch wieder aufgegeben werden, dieGoldmünzen im fernen Orient weiter einzubürgern. Mitte dersechsziger Jahre, als die beiden Katastrophen der Hauptsache nachüberstanden waren, waren auch Gold und Silber wieder in dasalte Preisverhältniß gekommen.

In jene Zeit und etwas früher fielen nun die in nächsterNähe gemachten Versuche, eine praktische Münz -Reform undOrganisation einzuführen theils in Europa , theils im eigenenVaterlande. In Deutschland war ja die kleinstaatliche Misere inAlles eingedrungen, und nicht am wenigsten in das Geldwesen,und nur durch den Beschluß, den der deutsche Reichstag in die-ser Sache gefaßt hat, können wir hoffen, Dank der Schaffungeines neuen deutschen Reiches auch diesem Unwesen ein seligesEnde zu bereiten. Wir hatten bis 1857 ich weiß nicht mehrwieviel verschiedene Münzgattungen, und an jedem Schlagbaumbegann eine neue Rechnung und ein noch häßlicheres Geld, na-mentlich im Punkte der Scheidemünze und des Papiergeldes, diean Häßlichkeit nicht ihres Gleichen haben aus beiden Hemisphären.Im Jahre 1857 vereinigten sich nun die deutschen Staaten, um indem Wirrwarr wenigstens etwas auszuräumen; auf der Münz-konserenz zu Wien in genanntem Jahre wurden unter anderem

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