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Silber- oder Doppelwährung, und wenn man diese Verhandlun-gen liest, so muß man gestehen, daß dabei in Aussicht genommenwar, daß Deutschland ausschließlich Silberwährung haben sollte.Wieder trat die Sache in eine politische Phase. Von Frankreich ,das nach seinen Launen bald .Krieg, bald Bruderliebe der Weltdekretirte und das auch das schöne Ideal eines sämmtlichen civi-lisirten Völkern gemeinsamen Münzweseus in die Welt hinein-warf, wurde im Jahre 18K5/6K ein Kongreß behufs Regelungdieser Frage nach Paris berufen, mit den üblichen Beglückwüu-schungsansprachen eröffnet, und versucht, alle europäischen undamerikanischen Staaten zur Festsetzung eines allgemeinen, inter-nationalen Münzsystems zu veranlassen. Bei dieser Gelegenheitwurde eine Reihe von Grundsätzen aufgestellt, deren erster war,daß man nicht ausschließlich Silber, sondern gerade ausschließlichGold, nicht beide neben einander zur Grundlage der Münzsvstemeder modernen Staaten machen solle. Das klingt einigermaßenüberraschend nach den Ueberzeugungen, die 15 Jahre früher vonFrankreich ausgegangen waren, allein Thatsachen beweisen unddie Erfahrung belehrt auch die hartnäckigsten Systematiker undso auch die Gegner der Goldwährung, daß das Gold eine un-widerstehliche Gewalt hat, sich in den Gebrauch der modernenWelt einzuführen. Wie illusorisch und unberechtigt die Befürch-tung war, daß die große Produktion von Gold den Werth desSilbers Herabdrücken müßte, dafür will ich, um nicht das Gedächt-niß des Lesers mit vielen Zahlen zu belasten, von denen ich eineganze Reihe aufführen könnte, nur eine Ziffer anführen. Im Jahre1851 war die jährliche Gesammtförderung von Gold nach sorg-fältig angestellten Untersuchungen auf 50 Millionen Thaler ge-schätzt, im Jahre 1867 war dieselbe angewachsen auf etwa 400Millionen Thaler, also ungefähr auf das Achtfache. Nehmencs»4)