ucuttl-Hollweg hat es sich auch in jenen Tagen gefallen lassen müssen, vonoer ganz rechts stehenden Seite in einer Weise angegriffen zu werden, diejedem wehe tat, der das hohe Echos dieser Persönlichkeit kennt und schätzt.Da sind noch ganz andere Ausdrücke gefallen, wie diejenigen, die HerrHel'sferich gegen Erzberger gebraucht hat. Und auch der Abg. Stresemannhat in einer kritischen Lage, als die nationalliberale Partei auseinander-brach, "dasselbe an sich erleben müssen. Das sind nicht hüben oder drübenLügen, Unwahrheiten, obichon die Herren im Augenblick sich gegenseitig so«was vorwerfen, sondern es sind 'die verschiedenen Eindrücke, hervorgerufendadurch, daß man von verschiedenen Seiten die Sache sieht nnd daß man,,wenn man so tätig ist, so leidenschaftlich handeln mnß, von Tag zu Tag wca>selnde Bilder und Ausgangspunkte hat, in der Leidenschaft hinterher sichnicht mehr ganz Rechenschaft ablegen kann, was ist an einem Tag geschehen,was am andern? Also auch in dieser Erklärung vermag ich eine Unlvahrheitin keiner Weise zu erkennen.
Widerspruchsvolle Haltung gegen Bethmann-Hollweg?
Dann ist noch nen, was aber mit der Broschüre nichts zu tuu hat,davon gesprochen worden, daß Erzberger eine unzuverlässige Haltungin bezug auf den Abgang Bethmann-Hvllwcgs eingenommen, halte- erhätte sich widerspreche»!) geäußert, ein Doppelspiel gespielt. Ich Halle dasin keiner Weise für erwiesen und nach der Persönlichkeit Erzbergers, wieich sie kennen gelernt habe, glaube ich das tatsächlich auch nichr. Es wirdhier wiederum die Schwierigkeit der Lage verkannt. Sie haben von allenZeugen, die darüber geuau Bescheid wissen, von David, von Giesberts undallen anderen gehört, daß die Resolution an und für sich in keiner Weisegegen Bethmann-Hollweg gerichtet tvar. Das ist ein Satz, der über jedenZweisel da steht. Im Gcgenleil, sie sollte eher eine Stütze für ihn sein.Aber es kamen dann neue Situationen, es kamen Widerstände von allenSeiten und es war vor allen Dingen zunächst einmal die Aufgabe für denPolitiker, der eine derartige Resolution herbeiführen will, daß er möglichst'»?ite Kreise dafür gewinnt, und da Halle ich es tatsächlich für möglich, daßErzberger am 7. morgens — die Resolution, wurde am Freitag, dem 6.beschlossen — also am Sonnabend bei einer Zusammenkunst mit Strese-mann und dem Obersten Bauer, an die sich Erzberger nicht erinnert —das ist natürlich wieder auffallend, wenn sich der arme Minn, der so un-endlich viel erlebte, sich an irgendeine Sache nicht erinnert; dann hat er„seine Gründe dazu" uud doch Müssen wir berücksichtigen, wäre der OberstBauer einmal da gewesen, wäre es schon etwas anderes, dann lasse ichmir das gefallen, aber so ist Oberst Bauer unendlich oft mit ihm zu-sammengeweseu, unendlich oft haben sie Besprechungen gehabt, da ist dereinzelne Fall nicht so charakteristisch -- da halte ich es in der Tat sür mög'lich, daß Erzberger au's taktischen Gründen — gerade wie Stresemann dasGegenteil von seiner Ueberzeugung in einer ihm vorgehaltenen Rede imAusschuß gesagt Hai, das- er auch da, um den Herren die «Dache schmackhaftzn machen, hingedentet habe: es geht auch ohne Bethmann, wir hängennicht unbedingt an ihm. Das lväre also durchaus möglich. Denn in derPolitik kann man nicht immer jeden Augenblick jedem gegenüber offen die
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