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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
Seite
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bruch gegen die Zusage: ich werde diese Frage zurückhaltend behandeln,die er am 3V. Juni Herrn Helsferich gegeben hatte. Es war sicher sein«Absicht; aber die Verhältnisse werden dann viel stärker, man erfährt allesmögliche, was einen Politiker zwingt, im kritischen Moment über einesolche Inaussichtstellung hinwegzngehen. Und nun wartet man auf Er-klärungen befriedigender Art von Herrn v. Capelle und Helfferich. Diesegenügen nicht, sie gehen nicht auf diese Dinge tiefer ein, es werden ge-wissermaßen Worte gegeben statt Brot, und so kommt Ebert, ein Mann,der rue unbedacht sprach, der alles, was er unternahm, sorgfältig vor-bereitete, und der spricht in energischen klaren, gewichtigen Worten vonder drohenden Revolution im Innern, prophetisch, und so gcht es weiter.Und wie nun einer nach dem andern kommt und sagt: ich bin unbefriedigt,und drüben einer nach dem andern wenig oder Unzureichendes bietet,kommt am 6. IM Erzberger noch einmal zum Wort, um-am Schlüssedieser geheimen Kommissionssitzung den Vorschlag zu machen: es ist not-wendig, daß wir einmal zusammentreten, daß wir möglichst alles imVolke einigen, um klar und deutlich dem ganzen Volke und den Soldatenwie auch dem Gegner zu sagen, daß wir nur einen Verteidigungskriegführen. Es mag sein, daß Erzberger dort in seinem Temperament, wires Herr Giesberts schilderte, hinausgegangen ist namentlich im Tone überdasjenige, was er am 3. gesagt hatte, aber in Wirklichkeit staunt maneigentlich nachträglich, daß die Sache überhaupt einen derartig über-raschenden Eindruck gemacht hat. Was war es denn? Der Reichstag sollte sich in dieser Weise äußern. Das wurde gesagt in einem kleinenKreise von 20, 30 Menschen, streng vertraulich. Warum kann man sichdarüber so furchtbar aufregen? Das ist kein spezieller Vorstoß, sonderneine Aktion, die über Tage und Wochen hinwegging, und auf diese gc>samte Aktion war Bethmann vorbereitet durch die vielfachen Gesprächeeinerseits mit Erzberger, andererseits mit anderen Persönlichkeiten. Eswar höchstens wieder eine zu große Pointierung seitens Erzbergers oderseines Äriikelschreibers, wenn er speziell gesagt hat, daß er Herrnv. Bethmann-Hollweg gerade auf diesen Vorstoß vorbereitet hätte. Da-kommt auch immer eins noch in Betracht. Es wird in allen diesen Zei-rungsevörterungen durchsinandergeworfen diese Resolution, die be-kanntlich erst am 19. Juli gefaßt wurde, und diese ganze Aktion, dieeben keinen bestimmten Anfangsmoment hat, und wenn in der betreffendenStelle der Zeitung gesagt ist, Bethmann-Hollweg hätte taktisch mit Rücksichtaus die Alldeutschen diese Resolution gebilligt, so bezieht sich das natürlichnicht auf die Aktion, die Erzberger am k. unternahm und die ja noch garkeine bestimmte Form oder Fassung vorschlug, sondern auf Aeußerungen,die am 7. Juli Herr v. Bethmann-Hollweg in ähnlichem Sinne gsmachthat, als versucht wurde, die Resolution zu formulieren. Da sagte er: Anund für sich ist das ganz meine Politik, aber ich halte eine solche Kund-gebung in diesem Moment aus bestimmten Gründen nicht für richtig. Alsoman kann sehr wohl in diesem Sinne von einer Billigung der Resolutionsprechen. Wenn man zu Widersprüchen kommen will bei derartig erregtenZeiten, wenn sich die Eindrücke des einen und die Wiedergabe durch den an-deren nicht ganz decken, dann verkennt man daS Leben selbst, Herr v. Beth-

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