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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
Seite
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noch etwas höher ist verursacht worden durch di« allgemeine Ent-wertung der Mark, durch die alle Schiffahrts- und alle andere» Wertegesti-egen sind. Es -ist also gar kelne Rede davon, daß Erzberger irgsnd-etwas gemacht hat, was sich Mit den gnten Sitten nicht vertrüge.

(Hier folgt im Original Sie Erörterung der einzelnen Falle.)

DerVeamtenschreck".

Das Verhältnis der Beamten zu Herrn Erzberger Hat man sich viel-fach so vorgestellt, als ob er gewissermaßen einBeamtenschreck"gewesen wäre. Ich habe mich hiervon nicht überzeugen lassenkönnen, sondern stehe auf dem Standpunkt, daß nicht Erzberger,sondern die betreffenden Beamten Sie Schuld daran tragen. Wirhaben hier verschiedene Veamtentypen als Zeugen kennengelernt.Es steht unzweifelhaft fest, daß Herr Erzberger -in taufenden von Fällenbei Behörden interveniert hat. Was will es demgegenüber besagen,wenn einige, wenige Beamte, einenDruck" verspürt haben wollen-Gerade das Auftreten dieser Zeugen nnd ihre Beziehungen zum Ange-klagten sind geeignet, die PlaidoyerS, die sie hier gehalten Haben, mitVoisicht aufzunehmen, Die Zeugen, die nicht gegen Erzbergerplai-öiert" haben, wie der Freiherr vom" Stein, General von Oven, Oberbau-rat Hoogen, Banrat Henze», Geheimrat von Schönebeck , haben einenDruck" seitens des Herrn Erzberger nicht gespürt. Wenn dem aber soist, so darf man wohl sagen, daß nur diejenigen Beamten einen solchenDruck verspürt haben, denen -eS an innerer Festigkeit gefehlt hat. Ge-rade dieser Umstand scheint Mir besonders wichtig zu sein. Wenn einzelneBeamten davon gesprochen haben, daß sie sich vor Scherereien und An-griffen des Herrn Erzberger in Acht nehmen wollte», fo liegt darin keinBorwurf gegen Herrn Erzberger.

DerSchwerverdiener" Erzbereer.Der Herr Angeklagte hat gesagt, Saß mein Klient der Typ des politi-schen Geschäftemachers und des Schwerverdieners sei, d. h, daß er ineinheitlichem Borsatz aus der politischen Tätigkeit ein Geschäft gemachthabe. Dies und die Frage des unanständigen Verhaltens ist Mchtaus den einzelnen Fällen, sondern ans der gesamten Persönlichkeit her-aus zu entscheiden. Daß sich Herr Erzberger von schmutzigen Motivenbet seiner politischen Tätigkeit leiten ließ, davon kann gar keine Redesein. Man darf Hier vielleicht in einzelnen Fällen von einer Taktlosig-keit sprechen oder wohl auch von gelegentlichem Mangel an Vor-sicht, aber zu dem vernichtenden Vorwurf des Handelns aus nie-derer Gewinnsucht reicht das Beweismatrial nicht aus. Ich habemir eine Aufstellung gemacht, was Herr Erzberger an sämtlichenhier erörterten Geschäften verdient hat. Da sind zunächst die IM 000Mark von THyssen, dann 60 000 Mark der Anhydatwerke, außerdemLlZvvo Mark von Berger, «zusammen also 173 000 Mark. Dazn kommendie Kleinigkeiten: 2200 Mark von den Pnigodinwerken, außerdem derGewinn des Hapagaktien-äVerkanfH, zusammen etwa 19S000 Mark. Hier-von ging der Verlustt von etwa 60 000 Mark ab, der bei Richter ent-standen war. Somit ergibt sich eine Gesamtsumme von 135 000 Markt« nahezu 10 Jahren! Das ist derSchwerverdiener", wie der Ange-klagte Erzberger bezeichnet hat, der in einer Zeitspanne von 910 Jahren

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