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Erzberger gegen Helfferich / [mit Beiträgen von Fritz Zinnecke, ...]
Entstehung
Seite
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oft traten Abgeordnete der Rechten für höhere l an dw i r t scha ft>liche Preise, für höhere Remontepreise ein und bereicher,ten sich selbst, wenn man ihre Wünsche erfüllte. Bei der Beratung desZucker st euergese^ es und der Zuckerkonventionen wieder-HMe sich dieses Schauspiel. Wer kennt nicht den Kampf um die Brannt»Weinliebesgaben? Der Angeklagte übertreibt maßlos. Wenn erdie Gesamtzahl der Jahre, auf die 'feine Spürtätigkeit zurückblickt, und wenner die Fälle der Anliegen und die ungeheure Menge ver Gesuche, für dieich mich überall iin Laufe von siebzehn Jahren eingesetzt habe, zusammen-hält mit den ganz wenigen Fällen, wo mein persönliches Interesse berührt»onrde, dann hätte ihm eigentlich längst die ganze Jämmerlichkeit seinerAngriffe, und der ganzen deutschen Öffentlichkeit die Minderwertigkeitseiner Motive klar zum Bewußtsein kommen müssen. Ich habe einigeErfinder protegiert, um ihnen zu helfen, und vor allem, weil mich an ihrenErfindungen die allgemeine und soziale Bedeutung reizte. Hinter dieseAb/sichi trat mein kauP nennenswertes Geldinteresse völlig zu'rück, Siewollen es mir, meine Herren, nicht verargen, wenn ich enipört biry daßangesichts einer derartigen tendenziösen Ausnutzung einiger Irrtümer undUnvorsichtigkeiten, die mir in den langen Jahren rastlosen Wirkens unter-laufen sind, hier dem dcmschen Volk ein Bild von mir vorgehallen werdensoll, wie es verzerrter »nd abstoßender kaum eine diabolische Phantasieersinnen kann.

Die Weltfremdheit des Beamten.

Der Herr Staatsanwalt sieht eine Verquickung von Politik und Ge-schäft als erwiesen an. Ich muß dieser Auffassung ans das allerentschiedenstewidersprechen und kann sie nur als weltfremd bezeichnen. Gerade durchwirtschaftliche Kriegsmaßuahmen namentlich des Angeklagten wurde ineinem nie gekannten Maße Politik und Geschäft miteinander verquickt unddiese Verquickung geradezu organisiert. Niemals ist in gleichem Umfangdurch die Beteiligung der unmittelbar interessierten Geschäftskreise an denKriegsgesellschaften, denen die gewaltige wirtschaftliche Macht in die Händegegeben wurde, eine solche Fülle von Gewissenskonflikten zwischen demeigenen nnd dem Gcmeininteresse hervorgeruscn worden. Niemand wirdbehaupten, daß in diesen Gewissenskonflikten restlos das Allgemeininteresscgesiegt hat. Im Gegenteils wenn wir jetzt mit einer so traurigen Kor-ruption im Wirtschaftsleben bis in Beamtenkreise zu kämpfen haben, sosind in allererster Reihe gerade diese Kriegsmaßnahmen die Quelle dieserKorruption geworden. Und gerade diese wirtschaftliche Umstellung brachtees mit sich, daß der Aus gaben kreis der Volksvertreterein anderer wurde. Er mußie sich infolge des Drängens der Wähler ineiner sehr unifassenden und intensiven Weise um das Geschäftsleben küm-mern, er mußte sich sogar der einzelnen Geschäfte seiner Wähler und derHilfesuchenden annehmen. Die staatlichen Maßnahmen zwangen zu dieserVerquickung, Diese wesentliche Verschiebung des Aufgabenkrcises der Ab-geordneten kennt der Angeklagte genau; aber dem Herrn Staatsanwalt istsie unbekannt. Der Abgeordnete hatte die Pflicht, in die vom Staate voll-zogene - Verquickung von Politik und Geschäft mildernd und fördernd ein-zugreifen, um die Interessen des Volkes zu vertreten. Wenn der Herr

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