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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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auf die herrschenden Anschauungen zu benehmen,wenn sie mit meiner Friedensphantasie an den Tagkämen, welche denn auch sofort ohne Sang und Klangbegraben wurde. Es gibt sogar viele Leute hier, diedenken, ein Krieg mit Frankreich sei am Ende ein sogrosses Unglück nicht, weil es das sicherste Mittelsei, die deutsche Einheit herzustellen. Aber die Freundedieses höchst zweifelhaften und allzu heroischen Mittelssind wenigstens unter den freisinnigen Parteien sehrdünn gesät und an dem Grafen Bismark haben solcheEinheitsmacher um den Weitfriedenspreis auch einenganz entschiedenen Gegner. Man weiss es hier ganzbestimmt und es ist das eine höchst wissenswertheThatsache dass der preussische Premier-Ministergegen einen Krieg mit Frankreich eine ganz grund-sätzliche Abneigung hat, weil er ihn für eine nichtgenug zu beklagende Kulturstörung hält, weil er dieAnsicht hat, dass ein noch so glänzender Sieg dochnur mit den grössten Opfern erkauft werden könnteund dass eine noch so harte Niederlage das franzö-sische Volk nur dahin führen könnte, eifersüchtigerals vorher auf Deutschland zu werden und nach einemersten verlornen Feldzug alsbald einen zweiten zu ver-suchen. Es gibt viele Leute hier, die behaupten,Bismark habe zwei grosse Fehler begangen, eimnalals er in Nikolsburg lieber die Mainlinie angenommen,