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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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diren, damals als uns versagt wurde, unseren Herzens-gedanken einen solennen Ausdruck zu geben, so ge-stattet uns auch jetzt die Freude, dass es uns dennochschliesslich gelang, der Stimme des Gewissens ihreBahn zu brechen. Wenn Ihr damals wusstet, warumes Euch so sehr darauf ankam, uns den Mund schliessenzu lassen mit dem vornehmen Einwurf: Ein garstigLied, pfui, ein politisch Lied! so möget Ihr auch jetzt-mals verstehen, warum wir uns des Jubels freuen, deraus Millionen Kehlen dennoch in dies politische Liedmit uns ausbricht. Euch und Euren Freunden (vosamis les ennemis) klingt der Ton freilich sehr fatal,und ganz recht habt Ihr damit. Dies bringt mich aufmeine zweite Betrachtnng.

Bisher waren die deutschen Demonstrationen See-len ohne Leiber (auch das Wiener Bundesschiessenwird trotz oder wegen allem Spektakel solch eine leib-lose Seele sein, wesshalb denn auch alles bunte Irrge-lichter des heiligen römischen Schattenreiches dahin auf-zubrechen begriffen ist). Umgekehrt war das Zollpar-lament wenn es gelang, ihm das politische Lebenslichtauszublasen, ein Körper ohne Seele. Aus diesemGrunde hatte das demonstrative Element in unseremgegenwärtigen Fall einen ganz besonderen Beruf. Eshandelte sich ja nicht darum, erst etwas in die Sachehinein zu deuten, sondern umgekehrt, aus ihr heraus