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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
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meinen Erfordernisse der Landeswohlfahrt. Und dasAlles hätte uns schliesslich mit der merkwürdigen Ent-deckung überraschen können, dass es eben so wohlgethan, aber viel einfacher wäre, die deutschen Ange-legenheiten überhaupt einem deutschen Parlamente, alsundurchführbarer Weise die Zoll-Angelegenheiten einemblossen Zollparlament zu übertragen.

Die lähmende Wirkung dieser widernatürlichenTrennung der Geschäfte erstreckte sich denn auch als-bald über die ersten Bewegungsversuche. Musste nichtvor Allem sofort über das Parlament das Gefühl derVerantwortlichkeit kommen, dass jeder bewilligte Zollein bewilligtes Geld sei, und dass man gewissenhafterWeise nicht Geld bewilligen könne, ohne zu fragen,ob es auch im Interesse des gemeinsamen Wohls noth-wendig? Was aber heisst: not.lvwendig? Dem erscheintunentbehrlich, dass man Kasernen baue, der Anderewill Kirchen, der Dritte Zuchthäuser, der Vierte Aka-demien und ein Fünfter gar nichts von Allein dem,sondern vielleicht Nationalwerkstätten. Da sitzen wirmit einem Male mitten in den schwierigen Menschheits-fragen, während wir doch nur berufen waren, über 15Silbergroschen auf Erdöl nachzudenken!

Die Staatsmänner auf der Kegierungsbank hattensich nun ein Systemwesen ausgeklügelt, welches überalle diese Verlegenheiten hinaushelfen sollte. Sie wollten

Bamberger, Zollparlainentabriefü. 3