Gedanken des Herrn v. Bismarck, den Parlamentaris-mus durch die Parlamente zu tödten. Könnte mannicht nach dem Erfolg noch viel eher urtheilen, es seidie geheime Absicht des Ministers, durch diese unbe-schreibliche Arbeitshäufung den Minister selbst zu tödten?Wer von Ihnen, m. H., wird es nicht schon für eineungebührliche Zumuthung halten, wenn er alle steno-graphischen Berichte von A bis Z durchlesen sollte?Nun macht aber — um von der ausnahmsweisen Stel-lung des Bundeskanzlers abzusehen — das Verfolgender öffentlichen Verhandlungen den leichtesten undkleinsten Theil des Berufs eines gewissenhaften Abge-ordneten aus. Ich möchte die Herren, welche desMorgens um elf Uhr zur ersten Schoppensitzung aus-gehen und allda von der Höhe ihrer Weisheit undTugend herab über den norddeutschen Bund und dendiätenlosen Reichstag Gericht halten, einmal an derArbeit sehen, der ein solcher diätenloser und am Endegar national-liberaler Abgeordneter in hundert Sitzungender Commission für Gewerberecht unter Anwendungallen erdenklichen Eifers und Wissens obliegt! Wiemancher dieser Abgeordneten ist als Mitglied des Land-tags, des Reichstags, des Zollparlaments seiner Familieund seinem häuslichen Beruf seit neun Monaten ent-rissen! Diesen unhaltbaren und gemeinschaftlichenStand der Dinge verdanken wir aber der künstlichen
Druckschrift
Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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