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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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Zersplitterung von Staatsgeschäften, die in einer Körper-schaft in der Hälfte der Zeit viel besser erledigt wer-den könnten. Man denke nur an die dreifache Wahl-prüfung, Constituirung, Aemtervertheilung, an die un-ausbleiblichen, langwierigen Competenzstreitigkeiten,undman wird zugehen müssen, dass die gegenwärtige Ein-richtung mit einem jener altmodischen Apparate arbeitet,welche bei möglichst grossem Kraftaufwand möglichstwenig Tagewerk vollbringen. Mit oder ohne Absicht,mit oder ohne Diäten muss eine Erlahmung der par-lamentarischen Kräfte aus der Fortdauer dieser Zu-stände sich ergeben. Die active wie die passive Theil-nahme muss ermatten. Auch ist es unnatürlich, dassdie Gesetzgebungsmaschine in einem Lande währendneun Monate jedes Jahr hindurch arbeite und auf dereinen Seite immer mehr unübersehbares Material auf-häufe, während für andere Aufgaben im Staat keineZeit übrig bleibt. Dabei haben wir nicht einmal denTrost, wie z. B. einst der französische Convent, amgrossen Wendepunkt einer grossen Staats- und National-epoche zu stehen und eine Grundlage für Jahrhundertezu schaffen. Alle Parteien sind darüber einig, dasswir uns mitten in der Vergänglichkeit eines Provi-soriums befinden. Jeder legt sich die Zukunft auf seineWeise zurecht, aber jeder fühlt und sagt, dass dieheutige Ordnung der Dinge nur einen Sinn habe als