auf sie zu hören, hätte sich’s gesagt sein lassen. Nunkommt er diesmal wieder genau mit demselben Losungs-wort. Hatte er Grund, zu glauben, dieMehrheit werde sichauf seine Seite wenden? Dann müsste man annehmen, erverstehe gar nichts vom Parlament, das er doch täglich vorAugen hat. Jedes Kind wusste, die Petroleumsteuer gehtnicht durch, das stand felsenfest. Er musste es wissen, erkonnte nicht voraussetzen, dass wir Alle unsere Ansicht,die wir so reiflich zu prüfen schon das vorige MalGrund hatten, würden fahren lassen, etwa weil ein Paarseiner Leibjunker auf die Tribüne stiegen, der Majori-tät schnöde Sottisen zu sagen. Was war also seinZweck? In solcher Lage könnte Einer allerdings aufdie Idee verfallen, Bismarck wolle das Parlament durchunfruchtbaren Widerspruch in der öffentlichen und indessen eigner Meinung aufreiben. Allein ich kann ihmdas, wie gesagt, nicht Zutrauen, aus bereits erwähntemGrunde und aus zehn mehr oder minder guten anderenGründen. Soviel Geistesfreiheit wird der Mann ausseinen Erfolgen doch erübrigt haben, dass er bedenkt:es können grosse, schwere Zeiten kommen, in denendas Parlament seiner Politik grosse Dienste zu leistenberufen wäre und in denen er bereuen müsste es zuSchanden geritten zu haben. Denn wenn er das nichtdächte, so hätte er alle grosse Politik an den Nagelgehängt, und das glaub ich nicht. „Qui a bu, boira!“
Druckschrift
Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
Seite
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