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schwäche. Aber diesmal waren sie ehrlich und redlichdabei, das Zollparlament bei Ehren zu erhalten, einAbkommen anzunehmen, dessen Billigkeit mit Ziffernzu beweisen war. Und wer widerstand, das war alleinGraf Bismarck. „Nein“ sagte er, „der Bien’ muss!“Ist er nicht der Letzte, der so sprechen sollte? Werhat denn die ganz plausible Theorie verkündet, dassgute Politik auf Kompromissen sich vorwärts bewegenmüsse? Wer hat sie Jahre lang gepredigt? Wer andersals der Bundeskanzler? Aber Graf Bismarck will nichtsdavon wissen, wenn er einmal selbst dazu beitragensoll. „Ja, Herr, dass ist ein anderer Fall!“ heisst esdann. Wie lagen doch die Sachen? Die Regierungsagte: Der neue Tarif, d. h. vor allen Dingen die Her-absetzung der Eisen- und Reiszölle und Abschaffungeiner Menge kleiner, schädlicher und Nichts ein-tragender Zöllchen, dass ist dringende Nothwendig-keit. Allein der Wegfall dieser Einnahmen machtuns ein Loch in die Kasse von 1,037,584 Thlr., undzu entbehren haben wir bekanntlich nichts, missenkönnen wir nicht einen Pfennig. Also ersetzt es uns miteinerSteuer auf Petroleum , die wir auf etwa 900,000 Thlr.schätzen; — worauf das Parlament: Petroleum? Das gehtnicht, aber hier ist Eure Rechnung: Ihr schlagt vor,die Runkelrübensteuer zu erhöhen um ‘/ä Silbergroschen*),
*) per Ctr. Rüben.