Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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gülden, welche, obwohl ihr Feingehalt gleichfalls unverändert blieb, nichtnur in ihrem Verhältnis zum Rechnungsgelde, sondern sogar in ihremgegenseitigen Wertverhältnis große Schwankungen erfuhren ^.

Das gemeinsame Prägesystem für die größeren Münzen bedeutetedeshalb keine Einheitlichkeit für das deutsche Geldwesen. Die gemein-schaftlichen Münzstücke, welche nicht einmal unter sich in einem festenWertverhältnis standen, hatten in dem Rechnungsgeld der einzelnenTerritorien verschiedene und stets schwankende Geltung; sie unterlagender wechselnden Bewertung durch den freien Verkehr, welche durch obrig-keitliche Tarifierungen häufig sanktioniert wurde, häufig auch korrigiertwerden sollte.

Das Nebeneinander der nicht zu einem einheitlichen Geldsystem ver-bundenen einzelnen Münzsorten wurde vermehrt durch den Umstand, daßkaum ein Münzgebiet die besseren oder schlechteren Stücke benachbarterdeutscher Gebiete ausschließen konnte, und daß bei Einführung neuerMünzen die alten Münzstücke niemals völlig beseitigt wurden. Dazukam noch der Umlauf zahlreicher ausländischer Münzsorten.

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts trat eine entscheidendeÄnderung ein. Der alte Reichs-Sveciesthaler, das letzte gemeinschaftlicheBand des deutsche,? Münzwesens, hörte auf zu existiere«. Die beidenmächtigsten Einzelstaaten, Österreich und Preußen , legten den Grund zuunabhängigen, in sich geschlossenen Münzsystemen.

Österreich prägte an Stelle des Reichs-Sveciesthalers von ^/» MarkFeinsilber einen Speciesthaler von '/lo Mark fein. Dieser neue Thaler wurde, entsprechend der Tarifierung des sogenannten Leipziger Münzfußesvon 1690, auf 120 Kreuzer --^ 2 Gulden bewertet. Das System, welchessonach einen 20-Guldenfuß, gleich einem 13VL-Thalerfuß, darstellte, er-hielt später (nach einer Konvention im Jahre 1753, in welcher es auchvon Bayern adoptiert wurde), den NamenKonventionsfuß"; es fandeine große Verbreitung, namentlich in Mitteldeutschland und bildete dieGrundlage des österreichischen Münzwesens bis zum Jahre 1857.

In Preußen führte Friedrich der Große einen Münzfuß ein, der nochetwas leichter war, als das neue österreichische Münzsystem, den 14-Thaler-fuß. Konsequenter als die Staaten, welche den Konventionsfuß ein-

' Vgl. meinen Aufsatz über die geschichtliche Entwickelung der Münzsysteme.Jahrbucher. für Nationalökonomie und Statistik. 3. Folge. Bd. IX S. 814 ff.