Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen
 

15

den Zollvereinsstaaten die Vorteile einer völligen Zolleinigung mit Öster-reich möglichst groß erscheinen zu lassen.

Nun bestand aber für die Entwickelung gedeihlicher Handelsbeziehungenzwischen den beiden Teilen ein großes Hindernis: die Währungs-verschiedenheit. Österreich hatte seit dem Jahre 1848 Papierwährungund die Schwankungen des österreichischen Silberagios waren damals be-trächtlich. Das wurde sowohl von deutscher als auch von österreichischerSeite schwer empfunden und beklagt.

Schon beim Abschluß des Handelsvertrags war man sich diesesMißstandes bewußt. Österreich plante zu dessen Beseitigung nicht nureine Wiederaufnahme der Barzahlungen, sondern sogar einen Eintritt inden deutschen Münzverein, Der Handelsvertrag erhielt einen Paragraphen,welcher lautete:

Die kontrahierenden Staaten werden noch im Laufe des Jahres1853 über eine allgemeine Münzkonvention in Unterhandlung treten."

Österreich that alles, um die Beseitigung des Zwangskurses zu er-möglichen. Es verkaufte seine Staatseisenbahnen und nahm ein großesNationalanlehen auf, um der Nationalbank die der Regierung gewährtenVorschüsse zurückzahlen zu können und ihr dadurch die Aufnahme derBarzahlungen zu ermöglichen. Alles war aus das beste vorbereitet, alsder Ausbruch des Krimkrieges Österreich zur Mobilmachung nötigte. Diedaraus entstehenden Kosten erforderten eine neue Inanspruchnahme derNationalbank; die Rückkehr zur metallischen Währung mußte vertagt werden.

So trat Österreich mit unfertigen Valutaverhältnissen im Jahre 1854in die Unterhandlungen über die Münzeinigung ein.

Ehe wir uns mit diesen Verhandlungen und ihrem Ergebnis be-schäftigen, haben wir uns mit einer bisher noch nicht berührten Seitedes deutschen Münzwesens zu beschäftigen: mit den Goldmünzen undihrer Stellung in der deutschen Geldverfassung.

Wir konnten diesen Punkt bisher vernachlässigen, weil das Silberso sehr für die Entwickelung des deutschen Geldes maßgebend war, daßin den Münzkonventionen der dreißiger Jahre Goldmünzen überhauptnicht erwähnt werden.

Nichtsdestoweniger war neben dem Silbergeld auch Goldgeld imUmlauf und wurden in den verschiedenen deutschen Staaten neben denSilbermünzen auch Goldmünzen geprägt.

Die Art des Nebeneinanderbestehens der beiden verschiedenen metallischen