Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen
 

34

der alten zu treten, sondern sie kamen zu den bisherigen Stücken hinzuund vermehrten auf diese Weise oft den Übelstand, welchen sie hatten be-seitigen sollen.

Die Folge war, daß nicht nur viele gänzlich abgenutzte und un-kenntliche Stücke sich im Umlauf befanden, sondern daß die Zirkulationein verwirrendes Chaos der verschiedenartigsten Münzsorten darstellte.Die deutschen Münzsysteme von anderthalb Jahrhunderten hatten in demdeutschen Münzwesen, wie es vor der Reform bestand, ihre Niederschlägehinterlassen.

Am schlimmsten stand es in dieser Hinsicht in Süddeutschland , wo von dem kleinen Gelde nicht zu reden! neben den Münzen dessüddeutschen Guldenfußes noch beträchtliche Summen von Konventions-geld und Kronenthalern der verschiedensten Herkunftsländer im Umlaufwaren.

In Sachsen hatte sich gleichfalls noch Konventionsgeld, in Hannover gar noch Stücke des Leipziger 12-Thalersußes im Umlauf erhalten.

Der preußische Staat hatte noch am meisten geordnete Verhältnisse,aber auck> hier blieb die praktische Ausführung weit hinter der theoretischenEinsicht zurück. Obwohl das Münzgesetz von 1821, welches das preußischeGeldwesen nach seinein Zusammenbruch in den napoleonischen Kriegennenbegründete, in voller Erkenntnis des Unistandes, wie wichtig dieBeschränkung in der Zahl der verschiedenen Münzsorten selbst innerhalbeines und desselben Münzsystemes sei, die Prägung von nur zweiKurantmünz-Sorten, des Thalers und des Eiusechstel-Thalers, angeordnethatte, wurde die im Umlauf vorhandene Reichhaltigkeit der Münzsortenso wenig verringert, daß sich bis zur Münzreform halbe, drittel, viertel,fünftel, sechstel, achtel, zwölftel und fünfzehntel Thaler vorfanden.Auch in den neuerworbenen preußischen Gebietsteilen, welche eine andereWährung als die Thalerwährung hatten, wurde wohl die Thalerwähruugeingeführt, aber die Münzen der aufgehobenen Rechnungssysteme wurdennicht radikal beseitigt; so blieben z. B. die Münzen der schleswig-hol-steinischen Speciesthaler-Währung bis zur Münzreform im Umlauf.

Die Fülle der verschiedenartigsten deutschen Münzsorten wurde ver-mehrt durch einen starken Umlauf von Münzen fremden Gepräges undfremder Systeme. Namentlich ausländische Goldmünzen, französischeZwanzigfrankenstücke, russische Jmperialen, englische Sovereigns liefen inDeutschland um wie einheimisches Geld; ebenso eine Masse ausländischerSilbermünzen, namentlich österreichische, französische und holländische.