Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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ihrem Gebietsumfang und ihrer Einwohnerzahl durchaus nicht entsprach,sondern auf den Umlauf in den angrenzenden größeren deutschen Staatenberechnet war.

Eine Vergleichuug der einzelnen Staaten nach ihrer Bevölkerungs-zahl und ihrer Ausgabe vou Staatspapiergeld ist iu dieser Beziehungsehr lehrreich.

Schon bei den größeren Staaten treten die auffallendsten Unter-schiede hervor. Während Preußen im Oktober 1872 etwa 20^/s MillionenThaler Kassenanweisuugen ausgegeben hatte, betrug die Emission Sachsens12 Millionen Thaler.

Besonders charakteristisch jedoch ist folgende Thatsache:Die beiden Herzogtümer Sachsen-Meiningen und Sachsen-Koburg hatten offiziell die süddeutsche Guldenwährung. Nun hatten aber dieauf Thalerwährung lautenden Scheine, weil die Thalerwährung dieweiteste Verbreitung hatte, und weil Thalerscheine in ganz Deutschland ,auch in den Guldenstaaten, genommen wurdeu, bessere Aussichten aufAufnahme in den deutschen Umlauf. Das war offenbar der Grund,welcher die erwähnten beiden Herzogtümer bestimmte, ihr Staatspavier-geld nicht auf die offizielle Landeswährung, sondern auf Thaler auszu-stellen.

Dieselbe Ursache, welche eine übermäßige Ausgabe von Staatspapier-geld begünstigte, führte zu einer ähnlichen Überfülle von Banknoten.

Die Regierungen behielten sich das Recht vor, Konzessionen zur Errich-tung von Zettelbanken zu verleihen. Die Erteilung einer solchen Konzessionbrachte den Einzelstaaten ähnliche fiskalische Vorteile, wie die Ausgabevon Staatspapiergeld. Entweder ließen sich die Regierungen die Konzessionteuer bezahlen, oder sie sicherten sich eine Beteiligung am Gewinn derZettelbanken.

Schon in diesem fiskalischen Vorteil lag für die Einzelstaaten einstarker Anreiz, die Errichtung von Zettelbanken zu begünstigen. DieserAnreiz wurde gerade für die Kleinstaaten dadurch erhöht, daß Preußen und auch Bauern der Entwickelung des Zettelbankwesens gegenüber einegeradezu feindselige Haltung einnahmen, während der kräftige Aufschwungder deutschen Industrie und des deutscheu Haudels eine Ausbildung desNotenwesens gebieterisch verlangten. Dadurch wurde die Gründung vonBankanstalten mit dem Recht der Notenausgabe in den an Preußen an-grenzenden oder von preußischein Gebiet eingeschlossenen Kleinstaaten er-heblich gefördert. Diese Banken waren von vornherein auf ein Geschäfts-