Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
46
Einzelbild herunterladen
 

land zu 9Vs Gulden genommen, mährend bei einer Relation von 1 :zwischen Gold und Silber ihr genauer Wert 9 Gulden 27 Kreuzer ge-wesen wäre. Die Möglichkeit, Zwanzigfrankenstücke in Süddeutschland zu diesem Kurse in Zahlung zu geben, trug unzweifelhaft viel dazu bei,während des durch die kalifornischen Fnnde veranlaßten Tiefstandes desGoldwertes große Massen französischer Goldmünzen nach Deutschland zuleiten. Aber es ist ebensowenig zweifelhaft, daß diese zu günstige Be-wertung, welche der deutsche Verkehr den französischen Goldmünzen an-gedeihen ließ, nicht die einzige Ursache des starken Umlaufs ausländischerGeldsorten in Deutschland war, sondern daß dieser Umstand dem BedarfDeutschlands nach Goldmünzen nnr zu Hilfe kam. Überdies ist esmöglich, daß die zu günstige Bewertung der ausländischen Goldmünzenihrerseits in einem gewissen Znsammenhang mit dem Bedarf nach einerGoldzirkulation stand.

Es ist klar, daß dieser aus allen möglichen inländischen und aus-ländische» Münzsorten zusammengesetzte Goldumlauf nichts sein konnte,als ein dürftiger Notbehelf.

Da eine hinreichende und bequeme Goldzirkulation nicht vorhanden,Silbergeld aber für jede nur mäßig große Zahlung bereits zu schwerund unbequem war, griff der wachsende Verkehr zu dem am nächstenliegenden Auskunftsmittel, dem papierneu Geldzeichen. So liegt inder Zusammensetzung des deutschen Metallgeldnmlaufs, welche ihrerseits inder bestehenden Silberwährung begründet war, jener zweite, oben bereitsangedeutete Grund, welcher zu der starken Ausdehnung der ungedecktenPapierzirkulation führte. Die Thatsache, daß die gesetzliche Silber-währung den Bedürfnissen des Verkehrs nicht mehr genügte, schuf einenstarken Begehr nach papiernen Zahlungsmitteln, und dieser Begehrallein war es, welcher es den Negierungen und den Noteilbanken er-möglichte, fortgesetzt große Mengen papierner Geldzeichen im Umlauf zuerhalten.

Der Bedarf nach papiernen Umlaufsmitteln ist bei einer Silber-währung nicht nnr ein größerer, als bei einem Währungssystem mitausreichendem Goldumlauf, sondern er erstreckt sich vor allem auf kleinereWertbeträge, für welche bei überwiegender Goldzirknlatiou kein oder dochnur ein geringer Begehr vorhanden ist. Eine Goldwährung kann ohnePapiergeld und Noten unter huudert Mark auskommen. Dem Gewichtvon hundert Mark in Gold entspricht das Gewicht von etwa 2 Thalern