Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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in Silber. Papierne Geldzeichen in Abschnitten bis zu sehr kleinenBeträgen herab sind deshalb bei einer Silberwährung eine Notwendigkeit.

Nun ist es eine bekannte und leicht zu erklärende Thatsache, daßPapiergeld und Noten in um so kleineren Zwischenräumen an die aus-gebende Stelle zur Einlösung zurückkehren, je großer der Betrag ist, aufden sie lauten; ganz kleine Abschnitte werden von dem Umlauf amlängsten festgehalteu. Je kleiner die Abschnitte sind, desto weniger lohntsich eben die Rucksendung zur Ausgabestelle.

Bei einer Silberwährung besteht also nicht nur ein Mehrbedarf nachPapiergeld, sondern ein beträchtlicher Teil der papiernen Umlanfsmittelwird von der Zirkulation zäher festgehalten nnd kehrt seltener zurEinlösung zurück. Dadurch wird namentlich die Ausgabe ungedeckterBauknoten erheblich erleichtert, indem nämlich die Zettelbanken sich instand gesetzt sehen, mit geringerer Bardeckung zn wirtschaften.

Dieser Zusammenhang zwischen der bestehenden Silberwährung unddem Übermaß des ungedeckten Papierumlaufs wurde einer der wichtigstenGründe für die Preisgabe der Silberwährung und den Übergang zurGoldwährung.

Wir kommen nun zu der Zusammensetzung und Beschaffenheit desSilbergeldes.

Von dem Gesamtumlauf der als gesetzliches Zahlungsmittel aner-kannteil deutschen Silbermünzen im Betrag von etwa 1535 MillionenMark waren gegen 80 Millionen Mark unterwertig ausgeprägte Scheide-münzen. Der Silberscheidemünznmlauf betrug also etwa 5,2 Prozentdes gesamten Silberumlauss.

Dieses Verhältnis wurde durch die Kupfermünzen nur unmerklich ver-schoben. Von diesen gelangten nur 3,6 Millionen Mark zur Ein-ziehung.

An uud für sich betrachtet war also der Anteil der Scheidemünzenam Gesamtumlauf sehr unerheblich. Dagegen hätte er in Anbetracht desUmstandes, daß die Silberwährung eine sehr starke Beschränkung desScheidemüuzumlaufs gestattet und daß das größte Scheidemünzstück dasLVs-Groschenstück war, noch kleiner sein können. Das ergiebt sich deutlichdaraus, daß im Verlauf der Münzreform bis zum Schlüsse des Jahres1878 an Zwanzigpfennigstücken, Nickel- und Kupfermünzen etwa 2^2 Mil-lionen Mark weniger in Umlauf gesetzt wurden, als an den entsprechen-den Landesmünzsorten eingezogen wurden, während gleichzeitig die Aus-