Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Prägung der größeren Silberstücke und der Goldmünzen die ent-sprechenden Einziehungen um fast eine Milliarde Mark übertraft Dergesamte Geldumlauf erfuhr also eine beträchtliche Ausdehnung; gleichwohlwar hinsichtlich des kleinen Geldes, welches an die Stelle der seitherigenSilberscheidemünzen trat, eine Einschränkung möglich.

Im Grunde genommen ist es nicht angängig, den damaligenScheidemünzumlauf als eine Einheit zu beurteilen. Wir erinnern uns,daß fpeciell die süddeutsche» Staaten das ganze Jahrhundert hindurch aneinem Überfluß von Scheidemünzen gelitten haben, während die Verhält-nisse im Norden augenscheinlich günstiger lagen.

Diese Wahrnehmung wird bestätigt durch die Ergebnisse der Einziehung.

Vor der Reform belief sich der Vorrat von Silbermünzen der Thaler-währung auf ca. 1320 Millionen Mark. Davon waren etwa 35 MillionenMark Scheidemünzen; dazu kommen etwa 2,8 Millionen Mark Kupfer-münzen. Die Scheidemünzen betrugen also nur etwa 2,9 Prozent des ge-samten Silberumlaufs.

Dagegen gelangten während der Münzreform im ganzen etwa 205Millionen Mark in Münzen der Guldenwährung, Konventionsmünzen undKronenthalern zur Einziehung, darunter 40 Millionen an Silber - undKupferscheidemünzen. Fast ein Fünftel des gesamten Silberumlaufs bestandalso hier aus Scheidemünzen, gegen nur 2,9 Prozent bei der Thalerwährung.

In diesen Zahlen spiegelt sich jedoch das Mißverhältnis etwas zukraß. Während der Umlauf des Kurantgeldes der Guldenwährung durch-aus auf die Guldenstaaten beschränkt war, war der Thaler die Vereins-münze und wurde von den süddeutschen Staaten selbst in erheblichemUmfange geprägt. Es ist ferner zu berücksichtigen, daß in Süddeutsch-land eine verhältnismäßig viel größere Menge von ausländischen Kurant-münzen, besonders von Fünffrankenstücken und österreichischem Silbergeld,im Umlauf war, als im Norden, während sich ausländische Scheidemünzenkaum vorfanden.

Durch diese Umstände wird der verhältnismäßige Anteil derScheidemünzen am Gesamtumlauf für die Thalerstaaten vergrößert undfür die Guldenstaaten verringert; um wieviel, das ist ziffermäßig uichtzu ermitteln.

Daß aber nichtsdestoweniger ein starkes Mißverhältnis obwaltete.

i Siehe die Tabellen in den Beiträgen, S. Teil 1. Abschnitt und 6. Teil1. Abschnitt.