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Rechnung des Staates nicht lohnend, sondern ein Geschäft, welches Ver-lust bringen mußte. Seine Ausprägung für Prioatrechnung unterbliebdeshalb ganz und gar, und wenn der Staat, trotz des ihm erwachsendenVerlustes, den Versuch machte, durch Alisprägung neuer Silbermünzenden Silberumlauf zu ergänzen, so brachte er dieses Opfer umsonst; denndie neuen Stücke, deren Silberwert höher war als ihr Nennwert, ver-schwanden in kürzester Zeit in den Schmelztiegeln. Nur abgenutztesSilbergeld konnte sich im Umlauf halten.
Dieser Umstand wurde immer schwerer empfunden, die Klagen überden schlechten Zustand der Silbermünzen und den Mangel an kleinen?Geld wurden immer lauter.
Aber auf dem Boden des bestehendes Systems war jede dauerndeAbhilfe unmöglich. Da sich, wie jedermann sah, das Wertverhältnis derbeiden Metalle aus dem Markte nicht nach dem Wertverhältnis desenglischen Münzgesetzes richtete, wäre der einzig denkbare Weg gewesen,das Wertverhältnis der englischen Münzen entsprechend dem Wert-verhältnis des Marktes zu verändern. Da letzteres selbst kein dauerndes,sondern ein leicht wechselndes war, hätte diese Lösung, welche dem Be-dürfnis nach einem stabilen Geldwesen widersprochen hätte, nicht einmaleinen dauernden Erfolg in Aussicht gestellt. Eine solche Maßregel konntealso nicht ergriffen werden. Ein anderer Ausweg wurde nicht gefunden.
So blieb die englische Doppelwährung, welche thatsächlich vonallem Anfang an eine Goldwährung war, während des ganzen achtzehntenJahrhunderts ohne jede wesentliche Veränderung, obwohl sich immerdeutlicher zeigte, daß dieses System nicht die Möglichkeit gewährt, beideMetalle gleichzeitig im Umlauf zu erhalten.
Als einzige Maßregel verdient ein Schritt hervorgehoben zu werden,welcher bereits zur gesetzlichen Goldwährung hinüberleitete: ein Gesetzvon 1774, welches bestimmte, daß Silbermünzen für Beträge über 25 Fnicht nach ihrem Nennwert, sondern nur nach ihrem Gewicht gesetzlichesZahlungsmittel sein sollten. Die Absicht dieser gesetzlichen Beschränkungder Zahlungskraft der Silbermünzen war, die Zahlungsempfänger vordem bei dem Mangel an Silbergeld höchst unwahrscheinlichen Falle zuschützen, größere Zahlungen in dem sehr abgenutzten Silbergeld annehmenzu müssen.
Am Ende des achtzehnten Jahrhunderts führte ein unerwartetesEreignis den entscheidenden Schritt herbei. Der Silberwert auf demoffenen Markte begann zu sinken und erreichte den Punkt, bei welchem