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Münzgleichheit in einen förmlichen Münzbund zu verwandeln. AnsAnregung Belgiens erließ Frankreich im Jahre 1865 an die Franken-länder eine Einladung zu einer Mttnzkonferenz, deren erster Zweck war,die gestörte Gleichheit der Silberausmünzung kraft eines förmlichenMünzvertrags wieder herzustellen. Im Dezember 1865 wurde zwischenFrankreich, Italien, Belgien und der Schweiz die sogenannte „LateinischeMünzkonvention " abgeschlossen.
Thatsächlich neues wurde durch diese Konvention kanm erreicht.Was die Hauptsache, das Münzsustem selbst, anlangte, brachte sie nurdie besteheuden Verhältnisse zur vertragsmäßigen Festlegung. Neu wardie Bestimmung, daß die Silbermünzen, vom Zweifrankenstück abwärts,in allen Frankenländern als Scheidemünzen ausgeprägt werden sollten,und zwar im bisherigen Gewicht, aber in einer Feinheit von nur 835statt von 900 Tausendteilen und in einem Maximalbetrag von 6 Frankenpro Kopf der Bevölkerung; neu war ferner, daß die vertragenden Staatensich gegenseitig die Annahme ihrer Münzen an ihren öffentlichen Kassenzusagten.
Dagegen blieben alle die wichtigen Fragen, welche damals die öffent-liche Meinung schon stark bewegten, ungelöst. So fehlte jede Bestimmungüber die Pflicht zur Einlösung und Umprägung abgenutzter goldener undsilberner Kurantmünzen. Vor allem aber blieb die Währungs fragein der Schwebe. Belgien, Italien und die Schweiz waren für denÜbergang zur Goldwährung, aber der energische Widerstand Frankreichs verhinderte, daß dieser wichtigste Punkt überhaupt auf die Tagesordnungkam. Die öffentliche Meinung in Frankreich und die Ansichten der maß-gebenden Kreise waren in dieser Frage noch zu wenig geklärt. DerPräsident der Konferenz, Herr de Parieu, war allerdings schon damalsein eifriger und überzeugter Anhänger der Goldwährung; aber die An-hänger des alten bimetallistischen Systems waren damals in Frankreich noch zu mächtig, als daß die französische Regierung sich in der Münz-konvention für die Goldwährung hätte engagieren können.
Von ganz besonderer Wichtigkeit war der Umstand, daß die Bankvon Frankreich , deren Leiter als Fachmänner ersten Ranges natur-gemäß einen bedeutenden Eiufluß auf die Regierung ausübten, einervölligen Beseitigung des Silbers als Kurantgeld ganz und gar abgeneigtwaren. Die Bank von Frankreich hat späterhin diese Gesinnung kon-sequent beibehalten, und ihre Vorsteher lieben es heute noch, hin undwieder ihre Vorliebe für das bimetallistische System zur Schau zu tragen.