Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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Prämie für Frankreich niedriger. Die Festigkeit der Wechselkurse wirdalso durch die Prämienpolitik beeinträchtigt.

Vor allem aber richtet sich die Prämienpolitik direkt gegen das Ziel,nach welchem die münzpolitische Entwickelung seit der frühesten Zeithinstrebte, gegen die Einheitlichkeit des Geldumlaufs. Die Centralbank,deren Aufgabe es wäre, die Erreichung dieses Zieles nach Kräften zufördern, macht selbst einen Unterschied zwischen Gold- und Silbergeld^sie zwingt dadurch die mehr oder weniger von ihr abhängigen Geld-institute, einen ähnlichen Unterschied zu machen und fördert so die Ent-stehung eines Agios auf die eine oder andere Geldsorte im freien Verkehr.

Wenn bisher die Prämienpolitik diese nachteiligen Wirkungen nurin geringem Umfang gezeigt hat, so liegt das an dem Reichtum Frank-reichs und feiner günstigen Zahlungsbilanz.

So ist vom Standpunkt des Gemeinwohles aus der Vorteil derPrämienpolitik zweifelhafter Natur. Um so unzweifelhafter war dagegender Vorteil der Prämienpolitik für die Bank von Frankreich selbst. Dazukam die Macht der hergebrachten Tradition. Das erklärt sicherlichzum Teil die energische Parteinahme der Bank von Frankreich für dieGrundlage ihrer Bankpolitik, für das bimetallistische System.

Ebenso wie die Bank von Frankreich zeigte sich die Pariser ZZants^illance einer gänzlichen Abschaffung der Doppelwährung durchaus ab-geneigt. Namentlich das Haus Rothschild trat mit seinem ganzenAnhang und seinem mächtigen Einfluß lange Zeit für das bimetallistischeSystem ein. Nicht nur in Fankreich, sondern auch im Ausland, so auchin Berlin, zeigten sich die mit dem Hause Rothschild in Beziehung stehen-den Finanzkreise bemüht, dem Silber seine bedrohte Stellung zu erhalten.

Seinen theoretischen Verfechter fand das bimetallistische System,welches infolge der Erfahrungen der fünfziger und sechziger Jahre vonder nationalökonomischen Wissenschaft so gut wie völlig preisgegebenwurde, an Wolowski. Seine Theorie unterscheidet sich von derheutigen bimetallistischen Theorie darin, daß er nicht behauptet, einbimetallistisches Gesetz könne das Wertverhältnis der beiden Edelmetalleunverrückbar festnageln und beide Metalle gleichzeitig ohne Störung neben-einander im Umlauf erhalten. Damals lagen die gegenteiligen Erfahr-ungen so klar vor aller Augen, daß diese Elemeutarsätze der heutigenbimetallistischen Lehre unmöglich austauchen konnten.

Wolowski gab die Möglichkeit und die Thatsache der Veränderungdes Wertverhältnisses unter dem bimetallistischen System voll zu; er gab