Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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einem Goldumlauf hin- uud herwerfeu zu lassen. Die geschichtliche Er-fahrung in England und Frankreich hat gezeigt, daß ein Volk sich voneinein bimetallistischen System wohl eine Goldzirkulation an Stelle einesSilberuinlaufs verschaffen läßt, daß aber ohne Rücksicht auf die Stabilitätder Wertrelation das bimetallistische System preisgegeben wird, sobaldes sich anschickt, den Goldumlauf wieder durch das Silber zu verdrängen.

Nach der Lehre Wolowskis ist ferner der Wert des Geldes in eineinLande mit Doppelwährung geringeren Schwankuugen ansgesetzt als beieinem monometallistischen System. Er behauptet, durch die Doppel-währung seien die beiden Edelmetalle in ähnlicher Weise zu einer Ein-heit verbunden wie zwei Bassins durch eine Verbindungsröhre. DieWertschwankungen der zu einer solchen Einheit verbundenen Bietalle seiengeringer als die Wertschwankungen, welche jedes der beiden Metalleisoliert erleiden müßte, dein? sie paralysierten sich gegenseitig bis zu einemgewissen Grade ähnlich wie die Veränderungen der Wasserhöhe in denzwei mit einander verbnndeneu Bassins.

Auch diese Aufstellung ist eine Halbwahrheit. Sie setzt einmal vor-aus, daß die Doppelwährung wirklich beide Metalle zu einer Einheitverbinde. Sie setzt ferner voraus, daß die gleichzeitigen Wertschwankungender beiden Edelmetalle in entgegengesetzter Richtung erfolgen; nur dannkönnen sich immlich die Schwankungen gegenseitig aufheben, andernfallskönnten sie sich gegenseitig verstärken.

Wolowskis Theorie fand einen kleinen Kreis von Anhängern, nichtnur in Frankreich, fondern auch im Ausland. In Deutschland bekanntesich namentlich John Prince-Smith zu seiner Lehre. Auch OttoMichaelis neigte eine Zeitlang zu Wolowskis Auffassung.

Aber das waren Ausnahmen. Die große Mehrheit aller namhaftenvolkswirtschaftlichen Theoriker verurteilte die Doppelwährung, weil sieauf Grund der geschichtlichen Erfahrungen und der herrschenden Theorieder Preisbildung nicht an die Möglichkeit glaubten, ein festes Wert-verhältnis zwischen zwei Wertgegenständen, wie Gold uud Silber her-stellen zu können. Sie verlangte!? einen einheitlichen Wertmesser.

Als solcher konnte namentlich für die Staaten, welche bereits einenüberwiegenden Goldumlauf hatten, nur das Gold in Betracht kommen,da niemand auf einen Goldnmlauf verzichten wollte, während die Silber-währung, wie das Beispiel Deutschlands klar vor Augen führte, nuruuter der Bedingung des Verzichts auf einen zweckentsprechenden Gold-nmlauf möglich war.