Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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nur der Reichskanzler in seiner Eigenschaft als Bevollmächtigter Preußens .Das Reichskanzleramt mußte deshalb bei der Ausarbeitung des EntwurfsBedacht nehmen, für die Vorlage die Zustimmung der preußischen Regierungzu gewinnen ^.

Infolge dieses Verhältnisses stand die Gestaltung des Entwurfsnicht ausschließlich bei Delbrück , dem Präsidenten des Reichskanzler-amtes, sondern auch der preußische Finanzminister Camp Hausen warin der Lage, seinen Einfluß geltend zu machen.

Bei dem großen Einfluß, welchen diese beiden Staatsmänner auf dieNeuordnung des deutschen Geldwesens ausübten, erscheinen einige Worteüber ihre Stellung zu den wichtigsten der damals zu lösenden Fragenangebracht.

Camp Hausen war im Grunde ein durchaus konservativer Charakter.Es wurde ihm nicht leicht, sich über den Gedankenkreis, in welchem eraufgewachsen war, zu erheben.

Wer feine Haltung fowohl in der Münzfrage als auch in andernAngelegenheiten der Reichsgesetzgebung verfolgt, muß den Eindruck ge-winnen, daß Camphausen sich nur schwer in die durch die Reichsgründnnggeschaffenen neuen Verhältnisse hinein fand, daß ihm das neue Reichmehr als der alte Staatenbund vorschwebte, denn als ein einheitlichesStaatswesen. Er war deshalb einer durchaus partikularistischen Ordnungdes Münzwesens nicht abgeneigt.

In der Währungsfrage war seine Stellungnahme nicht ganz klar.Er war dem Übergang zur Goldwährung freundlich gesinnt, und zwarhauptsächlich, weil er eine starke Abneigung gegen die papiernenZirkulationsmittel namentlich soweit sie nicht preußischen Ursprungswaren hegte, und weil er hoffte, durch die Goldwährung dem teil-weise auf den Mängeln der Silberwährung beruhenden Papiergeld-Unwesen steuern zu können. Aber er vermochte lange Zeit nicht, sichrückhaltlos für die Goldwährung zu entschließen. Es ging ihm darinähnlich, wie dem Präsidenten der Preußischen Bank , von Dechend,welcher sich erst spät und vielleicht niemals von ganzem Herzen mit der Gold-währung befreundete. Auch Michaelis, welcher als Vortragender Ratim Reichskanzleramt die Münz - und Bankgesetz-Entwürfe ausarbeitete,hatte sich noch im Jahre 1868 in einer Sitzung der VolkswirtschaftlichenGesellschaft iu Berlin zu Gunsten der Doppelwährung ausgesprochen. Der

i Poschinger, Fürst Bismarck im Bundesrat, II S. 96 behauptet irrigerweise,der Entwurf sei aus dem preußischen Finanzministerium hervoraeaangen.