Gang der Ereignisse hatte jedoch einen vollständigen Wechsel seiner An-schauungen zu Gunsten der Goldwährung bewirkt.
Der Präsident des Reichskanzleramtes, RudolfDelbrück, dem derReichskanzler die Leitung aller wirtschaftlichen Angelegenheiten währendjener Zeit vollständig anvertraute, besaß im Gegensatz zu Camphauseneine gewisse Geschmeidigkeit des Geistes gegenüber den neuen Verhältnissenin politischer und wirtschaftlicher Beziehung. Er hing nicht ängstlicham Alten, sondern er verstand es, auf dein neuen Boden, bei dessenBereitung er in hervorragender Weise mitgewirkt hatte, weiter zu bauen.
In der Frage der Geldreform befürwortete er von allen maßgebendenPersonen am eifrigsten die möglichst einheitliche Ordnung des Münz-weseus, die Übernahme nicht nur der Münzgesetzgebung, sondern auchder gesamten das Münzwesen betreffenden Verwaltungsthätigkeit auf dasReich. Ebenso war Delbrück der entschiedenste Befürworter der Gold-währung innerhalb der Regierung, und eine sofortige Benutzung derdurch den Ausgang des Krieges und die Kriegskosten-Entschädigung ge-botenen günstigen Gelegenheit, den Währungswechsel durchzuführen, hätteseiner Auffassung am meisten entsprochen.
Die preußische Regierung war aber damals für diese entschiedenenund klaren Gedanken augenscheinlich noch nicht reif. Delbrück war einfeiner Kopf und ein sehr geschickter Diplomat, aber keine Krastnatur.Es fehlte ihm ein gewisses Pathos im Reden und Handeln. So trat erauch in der Münzsrage nichts weniger als leidenschaftlich für seine Pläneein. Wo er Widerstand fand, scheint er sich nicht allzusehr bemüht zuhaben, schon in diesen ersten Stadien der Gesetzgebung seiner Auffassungvolle Geltung zu verschaffen. Er konnte mit Sicherheit darauf rechnen,außerhalb der Regierung und des Bundesrates, in der öffentlichen Meinungund namentlich im Reichstag ohne sein Zuthun eine äußerst wirksameUnterstützung für die Verwirklichung seiner Intentionen zu finden.
So kam es, daß der Präsidialantrag in manchen Punkten mehr derAuffassung Camphausens als der Delbrücks entsprach, und daß später beiden Neichstagsverhandlungen über den Gesetzentwurf Camphausen bei derzweiten Lesung mauchmal eifrig verteidigte, was Delbrück bei der drittenLesuug leichten Herzens preisgab.
Der unter den geschilderten Verhältnissen im Reichskanzleramt aus-gearbeitete Entwurf strebte uoch uicht die endgültige und vollständigeRegelung des deutschen Münzwesens an. Man wollte zunächst nur dem