Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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fuhr, war keine günstige. Die weitesten Kreise hielten vor allem dieEinführung eines für ganz Deutschland gemeinschaftlichen Münz - undRechnungssystems von decimaler Konstruktion für ein fo dringendes Be-dürfnis, daß man seine Erfüllung nicht ins ungewisse aufschiebe» dürfe.Soetbeer schrieb damals (am 12. April 1871 in der Hamburger Börsen-halle) über den in die Öffentlichkeit durchgesickerten Plan:

Gerade die Hauptdesiderien der deutschen Münzreform würden alsobis auf weiteres unerfüllt bleiben. Denn es hat nichts darüber ver-lautet, ist auch im höchsten Grade unwahrscheinlich, daß es die Absichtsei, bei Einführung der 10- und ö-Thaler-Goldmünzen gleichzeitig inSüddeutschland die Thalerrechuung an Stelle der Guldenrechnung vorzu-schreiben oder die Huudertteilung des Thalers statt der Groschen undPfennige einzuführen. Wir müssen daher den dringenden Wunsch äußern,daß eine etwa beabsichtigte Vorlage der erwähnten Art unterbleiben unddafür ein weitergehender Gesetzentwurf möge vorgelegt werden."

Als nun im Oktober der dem Bundesrat vorgelegte Gesetzentwurfin feinen Einzelheiten näher bekannt wurde, uud sich die früher gemachtenAndeutungen vollauf bestätigten, regte sich in den Kreisen, welche sichbisher mit der Münzfrage beschäftigt hatten, lebhafter Widerspruch.Die Berliner Ältesten der Kaufmannschaft, die Hamburger Handelskammerund der bleibende Ausschuß des Handelstages unterzogen den Entwurfeiner eingehenden, in ihren Ergebnissen sich deckenden Kritik und formu-lierten die Forderungen, deren Erfüllung sie bereits in dem ersten, pro-visorischen Münzgesetz für unerläßlich hielten.

Der bleibende Ausschuß des Deutschen Handelstages überreichte am17. Oktober dem Bundesrat eine ausführliche, von Soetbeer verfaßte,Denkschrift, welcher die Hamburger Handelskammer und die BerlinerÄltesten der Kaufmannschaft noch speciell zustimmten^.

Auf die sofortige Einführung eines einheitlichen Rechnungssystemshatten die beteiligten Kreise in richtiger Würdigung der großen prak-tischen Schwierigkeiten einer solchen Maßregel verzichtet; dagegen ver-langte die Eingabe, daß das Marksystem, wenn man es als Grundlagefür die künftige deutsche Mttnzverfassung annehmen wolle, in sich kon-sequent uach dem Decimalsystem durchgebildet werde, ohne Rücksicht aufden Thaler, daß also die Stückelung der Reichsgoldmünzen lediglich in

i Die Denkschrift ist veröffentlicht imDeutschen Handelsblatt" vom November

1871.

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