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Rücksicht auf die Mark, nicht in Rücksicht auf den Thaler gewählt werdenmöchte.
Ferner verlangte man, daß der Übergang zur Goldwährung mitmehr Entschiedenheit unternommen werde als es der Entwurf beabsichtigte.In richtiger Konsequenz des Standpunktes, welchen der Handelstag seit1868 in der Währuugsfrage einnahm, verlangte die Denkschrift sofortenergische Schritte nach dieser Richtung. Besonders abfällig kritisiertesie die Verleihung des bloßen Kassenkurses an die Goldmünzen und denin den Motiven ausgesprochenen Vorbehalt, die gewählte Relation eventuellnoch zu korrigieren; sie wies vor allem darauf hiu, daß es unbillig sei,die Gläubiger durch eine vielleicht teilweise durch die Münzreform selbstentstehende Silberentwertuug leiden zu lassen, indem man dieser Silber-entwertuug nachträglich noch einen Einfluß auf die Konvertierungdes deutschen Geldes gestatte. Deshalb, und außerdem in der Absicht,direkt auf die Goldwährung loszusteuern, forderte die Eingabe die so-fortige Verleihung eines festen gesetzlichen Kurses an die Goldmünzen.Außerdem beantragte sie die Sperrung der Silberprägung, um jedesweitere Anwachsen des deutschen Silberumlaufs, welcher ja in Durch-führung der Goldwährung beseitigt werden mußte, zu unterbinden, undum für den allgemein als wahrscheinlich angenommeneu Fall eiuer Wert-verringerung des Silbers im Verhältnis zum Golde dem deutschen Geldedie Möglichkeit zu gewähren sich über seinen inneren Silberwert auf demihm durch die Tarifieruug der neuen Reichsgoldmünze zugedachten Gold-werte zu erhalten.
Schließlich muß hervorgehoben werden, daß schon damals derDeutsche Handelstag den größten Wert auf die Freigabe der Gold-prägung für Private legte.
Kurz zusammengefaßt waren die Forderungen der Denkschrift:
Konsequente decimale Durchführung des Marksystems und sofortigerÜbergang zur Goldwährung, wobei im wesentlichen nur die Bestimmungenüber die künftigen Silberscheidemünzen und über die Durchführung derReform, besonders über die Einziehung des vorhaudenen Münzumlaufs,einem späteren definitiven Münzgesetz vorbehalten blieben.
Die Eingabe verfehlte, wie die Ergebnisse der Bundesratsverhandlungenzeigen werden, eine gewisse Wirkung nicht, wenn sich auch der Bundesratbei weitem nicht allen ihren Forderungen anschloß.