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Beibehaltung dieser Relation bestimmten, teilen die Motive des demReichstag vorgelegten Gesetzentwurfes mit: „Das vorgeschlagene Wert-verhältnis habe sich bei der französischen Doppelwährung Menschenalterhindurch bewährt und habe den Vorzug, daß in einem großen Gebietedas bestehende Münzsvstem darauf gebaut sei, wodurch ein Gravitierender Marktpreise der Edelmetalle nach diesem gegenseitigen Wertverhält-nisse hin für längere Zeit gesichert erscheine. Auch würde das öffentlicheBewußtsein sich mit dieser Fixierung am leichtesten befreunden, weil siedie legale Geltung in einem hochkultivierten Nachbarlande für sich habe."
Man ging also bei der Erledigung dieser Hauptfrage des Währungs-wechsels von rein praktischen Gesichtspunkten ans. Dabei enthielt aller-dings die Motivierung der Wahl des Wertverhältnisses eine irrige Voraus-setzung, indem sie annahm, durch die lateinische Doppelwährung erscheineein Gravitieren der Marktpreise von Gold und Silber nach dem Wert-verhältnis von 15^/2 zu 1 für längere Zeit gesichert. Das konnte dochaugenscheinlich, wenn es überhaupt zutraf, nur so lange zutreffen, alsdie lateinische Doppelwährung aufrecht erhalten blieb, und darauf konnteman nach der währnngspolitischen Entwickelnng innerhalb des lateinischenMünzbundes, namentlich nach den Ergebnisseil der im Juli 1870 ab-geschlossenen Enqnete vor dem (üonssil supöi-isur in Paris , mindestensnicht mit Sicherheit rechnen. Wurde doch allseitig zur Begründung einesmöglichst raschen Währnngswechsels in Deutschland schon seit längererZeit geltend gemacht, daß man, um ihn unter günstigeren Bedingungenvollziehen zu können, Frankreich zuvorkommen müsse. Für den Augen-blick war allerdings durch die Kriegskostenentschädigung die französischeAktionsfähigkeit auf währungspolitischem Gebiete erheblich geschwächt ^,aber ein voraussehender Gesetzgeber mußte unbedingt über die nächstenJahre hinaus die Möglichkeit eines französischen Währungswechsels,mindestens die Einstellung der freien Silberprägnng in der lateinischenUnion, ins Auge fassen.
Auch die Behauptung, daß sich die französische Relation „Menschen-alter hindurch" bewährt habe, kann von jedem Kenner der Verhältnissenur eum Ki-ano salis genommen werden.
i Der Bericht des BundeSrats-Ausschusses über den Entwurf hebt ausdrücklichhervor, „daß die dermalige politische und finanzielle Lage Frankreichs , welche dendeinnachstigen Übergang dieses Landes zur reinen Goldwährung ausschließt, eine mehroder minder große Stabilität des Wertverhältnisses der Edelmetalle für längere Zeit-in Aussicht zu stellen scheint". (Siehe Beiträge S. 191.)