Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
175
Einzelbild herunterladen
 

in der Nationalliberalen Partei aufs engste miteinander verschmolzen.Der wirtschaftliche Liberalismus, welcher fast unbestritten die Zeit be-herrschte, war im Laufe des letzten Jahrzehnts für die Goldwährunggewonnen worden, nicht zum wenigsten durch die eifrige Thätigkeit, welcheSoetbeer sowohl im bleibenden Ausschusse des Deutschen Handelstages,als auch auf den volkswirtschaftlichen Kongressen und in der Presse ent-faltete. Seit Beginn der fünfziger Jahre hatte dieser Mann in uner-müdlicher publizistischer Thätigkeit für die Goldwährung gewirkt undaußerordentlich viel dazu beigetragen, Interesse und Verständnis für dieWährungsfrage in Deutschland zu wecken. Im Reichstag hatte dieGoldwährung an LudwigBam berger einen energischen, sachkundigenund gewandten Vertreter, dessen Autorität auch von seinen Gegnernwenigstens damals noch willig anerkannt wnrde. Seine führendeStellung in der stärksten Partei des damaligen Reichstags, seine Bered-samkeit nnd schließlich auch das Ansehen, welches er bei den leitendenMännern der Reichsregierung, insbesondere bei Delbrück und bei Bis-marck selbst, geuoß, sicherten ihm einen großen Einfluß auf die Gestaltungder Münzgesetzgebung.

Man hat darüber gestritten, wer mehr Anspruch auf den TitelVater der Münzreform" habe, Soetbeer oder Bamberger. Ein solcherStreit ist unfruchtbar und müßig. Beide Männer ergänzten sich gegen-seitig in der glücklichsten Weise. Soetbeer war ein Gelehrter von seltenerGründlichkeit. Er hat als solcher der Währungswissenschaft die größtenDienste geleistet. Er war ferner ein überaus eifriger Publizist, und alssolcher hat er, auf Grund seines reichen Wissens, in jahrzehntelangerThätigkeit in Deutschlaud den Boden für die Goldwährung vorbereitet.Was ihm fehlte, das war der sprühende Geist der Beredsamkeit, derpolitisch-praktische Blick und die parlamentarische Gewandtheit, und geradediese Eigenschaften besaß Bamberger in hohem Grade.

Im Reichstage selbst hatten die beiden Forderungen der möglichstcentralistischen Münzeiniguug und des Übergangs zur Goldwährung nurwenige Gegner von persönlicher Bedeutung.

John Prince-Smith , einer der bedeutendsten Vertreter des wirt-schaftlichen Liberalismus, war schon früher so in HirthsAnnalen"von 1869 uud auf dem Volkswirtschaftlichen Kongreß zu Lübeck von1871 sür die Doppelwährung eingetreten, aus juristischen wie ausvolkswirtschaftlichen Grüuden, sehr geistreich und scharfsinnig, aber ohnejede Schroffheit und ohne jeden Fanatismus. In Anbetracht der That-