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sache, daß sich die öffentliche Meinung mit aller Entschiedenheit gegendie Doppelwährung ablehnend verhielt, änderte er zwar nicht seinetheoretische Überzeugung, aber er glaubte deshalb doch nicht, auf diepraktische Mitarbeit an der Münzgesetzgebung verzichten zu müssen. ImReichstag erhob er keinen Widerspruch gegen die Annahme der Gold-währung, da er einen solchen doch für völlig aussichtslos halten mußte.
Eine ausgeprägtere Stellung in der ganzen Münzreformfrage nahmder Württemberger Moritz Mohl ein. Mohl war ein charakterfesterDemokrat und Partiknlarist, dabei ein wenig Kosmopolit. In seinerpolitischen Thätigkeit in seinem engeren Vaterlande hatte er als Mitgliedder württembergischen Kammer mit eiserner Zähigkeit alle Schritte zurEinigung Deutschlands bekämpft, vor allem nach dem Krieg von 1866das Schutz- und Trutzbündnis mit Preußen und den neuen Zollvereins-vertrag, von welch letzterem er den Ruin der ganzen württembergischenIndustrie prophezeite. Im Jahre 1876 war er das einzige Mitglied derwürttembergischen Kammer, welches beim Ausbruch des Kriegs mitFrankreich erklärte, er würde für bewaffnete Neutralität stimmen, wennBayern neutral bliebe; er wurde in dieser antinationalen Haltung nurnoch durch einen Pfarrer übertroffen, welcher bedingungslos gegen dieTeilnahme am Kriege gegen Frankreich stimmte.
In der Münzfrage strebte Mohl mit gleicher Hartnäckigkeit vorallem nach zwei Zielen: nach der internationalen Münzeinigungauf Grund des Frankensvstems und nach der Doppelwährung. Ertrat für diese beiden Forderungen mit seiner ganzen Zähigkeit und einerlangweiligen Beredsamkeit ein, aber die wenigsten nahmen den Sonderlingernst.
Unter diesen Verhältnissen war vorauszusehen, daß der Reichstag andem ihm vorgelegten Gesetzentwurf wichtige Änderungen vornehmen werde,und dieser Eindruck fand in der Generaldebatte über die Vorlage sofortfeine Bestätigung.
Das Gesetz wurde nicht an eine Kommission verwiesen, sondern ein-gehend im Plenum selbst beraten. Man glaubte, daß eine Kläruug derAnsichten, soweit eine solche möglich war, bereits eingetreten sei, undman fürchtete, daß die noch vorhandenen Meinungsverschiedenheiten auchin einer Kommission nicht auszugleichen seien, daß man sich dort viel-mehr zu sehr in diese Meinungsverschiedenheiten vertiefen und so min-destens einen erheblichen Zeitverlust verursachen werde. Auch hatte man